Hurrikan "Gustav" : Patienten bei Evakuierung gestorben

Hurrikan "Gustav" hat seine ersten Opfer in den USA gefordert. Bei der Evakuierung von Krankenhäusern sind drei schwer kranke Patienten ums Leben gekommen. Hunderttausende haben die Stadt New Orleans mittlerweile verlassen. Die Angst vor Plünderern wächst.

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Die Evakuierung aus New Orleans läuft auf Hochtouren. -Foto: dpa

In der weitgehend entvölkerten US-Metropole New Orleans starben am Sonntag (Ortszeit) drei Krankenhaus-Patienten bei der Evakuierung eines Hospitals, gab der Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, bekannt. Wie der TV-Sender CNN berichtete, hätten bis zu 90 Prozent der Einwohner New Orleans verlassen. Augenzeugen sprachen von einer Geisterstadt.

Unsichere Dämme

Zugleich spitze sich die Frage zu, ob die neuen Dämme halten, die nach der Katastrophe des Hurrikans "Katrina" im Jahre 2005 errichtet wurden. Um Plünderungen zu vermeiden, trat in New Orleans mit Einbruch der Dunkelheit eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft. Wer dennoch auf der Straße ist, werde festgenommen, warnten die Behörden. "Gustav" dürfte im Laufe des Montags (Ortszeit) mit voller Wucht auf die US-Küste treffen.

Sollte der Wirbelsturm mit der erwarteten Intensität New Orleans erreichen, "würden die Dämme gerade noch halten", meinte Gouverneur Jindal. US-Medien berichteten, noch seien nicht überall ausreichende Schutzwälle errichtet worden. Vor allem im tief gelegenen "West Bank"-Viertel von New Orleans drohten die Fluten den gut drei Meter hohen Damm deutlich zu überschreiten, berichtete die "New York Times".

Parteitag der Republikaner stark verkürzt

Der Sturm brachte auch das Parteitagsprogramm der US-Republikaner durcheinander. Die Delegierten werden zum Auftakt an diesem Montag in Minneapolis-St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota) lediglich für zwei Stunden tagen. "Wir müssen dem, was am Golf von Mexiko passiert, mit Respekt gegenübertreten", begründete der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain die Entscheidung.

Es war zunächst unklar, wann McCain offiziell zum Kandidaten gekürt werden soll. Es sei zum ersten Mal, dass ein Parteitag wegen äußerer Einflüsse so derart abgeändert worden sei, sagte ein TV-Kommentator. Es würde einen schlechten Eindruck machen, wenn die Republikaner feierten, während Millionen Amerikaner um ihr Hab und Gut fürchten müssten.

Schutz vor Plünderungen

Fast genau drei Jahre nach Hurrikan "Katrina" haben in dem Krisengebiet Hunderttausende Menschen das Weite gesucht. Insgesamt flüchteten bis zu einer Million Menschen im Auto, in Bussen und Zügen oder per Flugzeug aus den bedrohten Gebieten. Bürgermeister Ray Nagin warnte, wer trotzdem in der Stadt bleibe, könnte keine Hilfe der Behörden erwarten.

"Mögliche Plünderer kommen sofort ins Gefängnis", warnte er. Auf den Straßen der Stadt patrouillierten rund 2000 Soldaten der Nationalgarde. "Wir sind hier, um Ihr Eigentum zu schützen", sagte ein Sprecher der Nationalgarde. Präsident George W. Bush informierte sich persönlich über die anlaufenden Hilfsmaßnahmen. Zunächst wurden keine Zwischenfälle und keine Panik gemeldet.

Meteorologen fürchteten, dass die Intensität "Gustavs" noch zunehmen könnte. Am Sonntag war der Sturm allerdings zunächst auf Kategorie drei heruntergestuft worden. "Wir sind auf das schlimmste vorbereitet", sagte der Minister für Heimatschutz, Michael Chertoff.

Verwüstungen im Golf von Mexiko

Auch die Öl- und Gasförderung im Golf von Mexiko wurde schwer getroffen. Viele Bohrinseln mussten evakuiert werden. Nach Angaben des amerikanischen Energie-Informationsdienstes Rigzone wurden bis Sonntag über 223 der 717 fest verankerten Produktionsplattformen geräumt. Auch von den 121 beweglichen Bohrtürmen mussten 45 geschlossen werden.

Bereits auf dem Weg durch die Karibik hinterließ "Gustav" eine Schneise der Zerstörung, insgesamt wurden 80 Tote registriert. Im Gegensatz zur Katastrophe im Jahr 2005, als es tagelang keine ausreichende Hilfe gab und insgesamt 1800 Menschen ums Leben kamen, hatten die Behörden dieses Mal Evakuierungspläne parat.

Mehrere hundert Schulbusse waren mobilisiert worden, um die Menschen aus der Stadt in Auffanglager in höher gelegene Gebiete zu fahren. Die Ausfallstraßen in New Orleans waren am Sonntag ausschließlich aus der Gefahrenzone heraus zu passieren. Lange Autokolonnen wälzten sich langsam gegen Norden, es gab aber keine Berichte über Zwischenfälle. "Ich weiß nicht, wohin ich gehe und ich weiß nicht, ob ich jemals zurückkomme, weil mein Haus vielleicht in ein paar Tagen nicht mehr steht", meinte der 61-jährige Joseph Jones, der in einer langen Schlange an einer Sammelstelle für einen Bus wartete. (mr/dpa)

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