Hurrikan : "Ike" verwüstet Kuba und nimmt Kurs auf Texas

Hurrikan "Ike" hat bei seinem Zug über Kuba eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, mehr als 1,2 Millionen Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Auf Haiti tötet er mindestens 60 Menschen. Sollte keine Hilfe kommen, wird mit Unruhen gerechnet.

Havanna/Washington/GonaïvesDa "Ike" am Dienstagnachmittag nach Westen zog, traf er die Hauptstadt Havanna nicht mit voller Wucht. Nach Angaben des US- Hurrikanzentrums in Miami könnte sich der Sturm über dem Golf von Mexiko wieder verstärken und am Samstagmorgen Texas erreichen.

Unklar war zunächst das Ausmaß der Zerstörungen in Havanna. Bis zuletzt hatte sich die Stadt gegen den Sturm gewappnet. Obwohl er nur noch als Hurrikan der Kategorie eins mit Windgeschwindigkeiten von 130 Kilometern in der Stunde unterwegs war, galt "Ike" als extrem gefährlich. In Havanna, wo zuvor rund 150.000 Einwohner vor allem aus ufernahen Gebieten in sichere Unterkünfte umquartiert worden waren, wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern gemessen.

70 Menschen kommen durch "Ike" ums Leben

"Ike" ist der vierte atlantische Hurrikan in diesem Jahr. Er hat nach offiziellen Angaben bisher 70 Menschen in den Tod gerissen, darunter 66 in Haiti. Von den vier Opfern in Kuba kamen laut Verteidigungsministerium zwei beim Abbau von Antennen durch Stromschläge ums Leben, die beiden anderen starben in den Trümmern ihrer Häuser. Am schlimmsten traf es nach lokalen Medienberichten die Küstenstadt Baracoa in der Provinz Holguin. Allein dort seien über 1000 Häuser schwer beschädigt oder komplett zerstört worden.

In Camagüey wurde die historische Altstadt nach einem plötzlichen Platzregen überschwemmt. 4000 Einwohner hätten gerettet werden müssen. Im ganzen Land wurden Bananen- und Avocadoplantagen sowie andere riesige landwirtschaftliche Anbauflächen verwüstet. Bäume stürzten auf Straßen und Häuser, Telefonmasten knickten wie Streichhölzer um. In vielen Ortschaften kam es zu Überschwemmungen.

Texas bereitet sich vor

Nach Angaben des Hurrikanzentrums wird der Wirbelsturm über dem Golf von Mexiko nach Westen drehen. Dadurch werden Florida und Louisiana verschont, die bis dahin als bedroht galten. Stattdessen rüsten sich nun die Behörden in Texas und Nordmexiko gegen "Ike". Die Bürgermeisterin von Galveston südöstlich von Houston, Lyda Ann Thomas, empfahl den Einwohnern, Waren einzulagern und sich auf Stromausfälle einzustellen. Evakuierungen seien nicht geplant.

Dramatisch blieb die Lage insbesondere im nahen Haiti auf der Nachbarinsel Hispaniola, wo die Überschwemmungsgebiete weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten waren. 66 Menschen kamen dort durch "Ike" ums Leben, 59 davon in der Stadt Cabaret rund 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Damit sind in Haiti seit Mitte August durch die Wirbelstürme "Fay" (50 Tote), "Gustav" (59), "Hanna" (167) und "Ike" (66) mindestens 342 Menschen ums Leben gekommen. Zudem gelten zahlreiche Bewohner als verschollen.

Die Deutsche Welthungerhilfe rechnet damit, dass die Lage in Haiti und Kuba auf längere Sicht sehr angespannt bleibt. Vordringlichste Aufgabe in Kuba sei die Notversorgung der Sturmopfer sowie die Reparatur der Schäden. Mittelfristig müsse aber dabei geholfen werden, dass die eigene Landwirtschaft wieder in Gang komme.

Auf Haiti drohen Unruhen

Ein Sprecher der UN-Soldaten in dem Karibikstaat sagte am Dienstag, falls die geschädigten Menschen keine massiven Hilfslieferungen erhalten sollten, sei mit gewalttätigen Zusammenstößen und Unruhen zu rechnen. Dabei werde es mehr Tote geben als durch den Hurrikan.

Die UNO richtete eine Luftbrücke zwischen der Hauptstadt Port-au-Prince und dem 150 Kilometer weiter nördlich gelegenen Gonaïves ein. Die Hilfsgüter wurden UN-Angaben zufolge unter dem Schutz von Soldaten und Polizisten der Vereinten Nationen an bedürftige Menschen verteilt. (sgo/dpa/AFP)

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