• Hurrikan "Katrina": US-Armee für Überflutungen von New Orleans verantwortlich

Hurrikan "Katrina" : US-Armee für Überflutungen von New Orleans verantwortlich

Ein Gericht in den USA hat das Ingenieurkorps der US-Streitkräfte für die zerstörerischen Überflutungen von New Orleans nach dem Wirbelsturm "Katrina" verantwortlich gemacht. Das Urteil könnte nun Klagen von mehr als 100.000 Anwohnern nach sich ziehen.

Rita Neubauer[San Francisco]
New_Orleans Foto: dpa
Der Hurrikan "Katrina" wütete im August 2005. -Foto: dpa

Es ist ein bittersüßer Sieg für Tanya Smith. Vier Jahre nachdem sie ihr Haus in Chalmette, nahe New Orleans, verlor, bekommt sie endlich Recht. Nicht Hurrikan „Katrina“ sei für den Verlust verantwortlich, sondern die amerikanischen Streitkräfte, urteilte am Mittwoch ein US-Bezirksgericht und sprach der Krankenschwester 317 000 Dollar zu. „Ich weiß das seit Jahren“, triumphierte sie am Mittwoch. „Eine Menge Unglück hätte vermieden werden können, und sie haben einfach weggesehen.“ Vier weitere Kläger teilen sich 402 000 Dollar.

Schuld an der Katastrophe am 29. August 2005 habe das Ingenieurkorps der Armee, weil es einen 80 Kilometer langen Schifffahrtskanal nicht richtig wartete. Das Korps, schrieb Duval in seinem 156-seitigen Urteil, hätten dafür sorgen müssen, dass das Mississippi River-Gulf Outlet, 1965 von amerikanischen Truppen gebaut, keine Gefahr für Mensch und Umwelt werden würde. Duval warf dem Ingenieurkorps „Sorglosigkeit und Kurzsichtigkeit“ vor.

Der juristische Erfolg für die fünf Opfer – eine sechste Klage wurde abgeschmettert – könnte einen Präzedenzfall schaffen und zu Klagen von mehr als 100 000 Anwohnern und Geschäftsleuten entlang des Kanals im Lower 9th Ward führen. Auf die US-Regierung könnte eine Prozesswelle in Milliardenhöhe zurollen.

In einem Interview mit der „Los Angeles Times“ bezeichnete Anwalt Pierce O’Donnell das Urteil als „historisch“. Würde es doch bestätigen, dass es keine Naturkatastrophe war, sondern ein „von Menschen geschaffenes Desaster, verursacht durch das Ingenieurkorps“.

Nach seiner Meinung habe sich der Kanal infolge von Erosion und mangelhafter Wartung verbreitet und sei zu einer „Autobahn“ für die Flutwellen „Katrinas“ geworden. Duval sprach davon, dass der Kanal wie ein „Trichter“ gewirkt hätte.

Eingeschränkt wird der juristische Erfolg nur dadurch, dass das Urteil nicht auf die Bewohner im Osten von New Orleans zutrifft. Duval schloss das Korps von der Verantwortung aus, im Osten keine Flutbarriere gegen Überschwemmungen errichtet zu haben. Man wolle dennoch versuchen, so O’Donnell, eine Entschädigung für alle Opfer zu erreichen.

Während New Orleans Bürgermeister Ray Nagin das Urteil begrüßte, enthielten sich Vertreter des Korps am Mittwoch jeden Kommentars. Anwälte der Armee und des Justizministeriums würden das Urteil prüfen.

Beobachter gehen davon aus, dass die Regierung die Entscheidung anfechten wird. Ihre Experten und Anwälte hatten vor Gericht argumentiert, dass das Deichsystem dem gewaltigen Wirbelsturm einfach nicht standhalten konnte.

Hurrikan „Katrina“ war über New Orleans und die Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama an der Golfküste hereingebrochen. Mehr als 1800 Menschen starben, in New Orleans brachen die Dämme und die Fluten setzten einen Großteil der Stadt unter Wasser. „Katrina“ verwüstete mehr als 140 000 Quadratkilometer Land.

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