Hurrikan : "Rita" schlimmer als "Katrina"?

Mit Spitzengeschwindigkeiten von 280 Kilometer in der Stunde ist der Wirbelsturm "Rita" inzwischen zum drittstärksten jemals beobachteten Hurrikan angewachsen. Eine Million Menschen sollen evakuiert werden.

Washington (22.09.2005, 14:36 Uhr) - Die Angst vor «Rita» wird immer größer: Der Monster-Hurrikan hat inzwischen die höchste Kategorie 5 erreicht. Jetzt nähert er sich bedrohlich der Küste von Texas. Experten schätzen, dass er von der Kraft her noch verheerender sein könnte als «Katrina». Nach Angaben des Nationalen Hurrikanzentrums in Miami ist «Rita» der drittstärkste Hurrikan, der jemals beobachtet wurde. Nur der Wirbelsturm «Gilbert» im Jahr 1988 und der «Labour-Day»-Hurrikan von 1935 wurden als heftiger eingestuft.

«Rita» erreichte nach Angaben des Hurrikan-Experten beim Wetterdienst Meteomedia, Thomas Sävert, in der Nacht zum Donnerstag mittlere Windgeschwindigkeiten von etwa 270 und Spitzenböen bis zu 330 Stundenkilometern. Der Wirbelsturm befinde sich weiter über dem Golf von Mexiko etwa 800 Kilometer südöstlich der texanischen Stadt Galveston. Der Wirbelsturm könnte sich bis zum Freitag leicht abschwächen. Wo genau «Rita» das Land erreichen wird, lässt sich nach Angaben des US-Hurrikanzentrums möglicherweise erst am Freitag sagen.

Nach Berechnungen von Experten könnte der Wirbelsturm am späten Freitagabend oder frühen Samstagmorgen (Ortszeit) auf die texanische Küste bei Galveston treffen. Präsident George W. Bush hatte am Mittwoch bereits vorsorglich für Texas und Louisiana den Notstand ausgerufen. Damit ist unbürokratische Bundeshilfe möglich.

«Rita» wurde als so gefährlich eingestuft, dass für eine Million Menschen in niedrig gelegenen Küstenabschnitten von Texas eine Zwangsevakuierung verfügt wurde. Betroffen sind davon auch Teile der Millionenstadt Houston. Die Autobahnen seien als Evakuierungsrouten ausgezeichnet worden, sagte Frank Michel, Sprecher von Bürgermeister Bill White. Entlang der Strecke würden Schutzräume zur Verfügung stehen, sagte Michel dem lokalen Sender KTRH. Fernsehberichten zufolge gibt es bereits lange Staus auf texanischen Autobahnen. Militäreinheiten aus Süd-Texas wurden in den Norden verlegt, Schulen, Universitäten und Geschäfte gesichert.

"Kein Grund zur Panik"

Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, sagte unterdessen: «Es gibt keinen Grund zur Panik.» Man sei gut vorbereitet und habe derartige Katastrophenfälle oft geübt. Medienberichten zufolge befinden sich in Texas 5000 Nationalgardisten in Bereitschaft. Die für die bemannte Raumfahrt zuständige NASA-Bodenzentrale, das Johnson Space Center, wurde geschlossen und die Kontrolle über die Internationale Raumstation ISS der «Mission Control» in Russland übertragen.

Der Direktor des Hurrikanzentrums, Max Mayfield, warnte, dass «Rita» sich noch schlimmer auswirken könne als «Katrina», die vor dreieinhalb Wochen in Louisiana - vor allem in der Metropole New Orleans - und in Mississippi verheerende Verwüstungen angerichtet hat. Besonders gefährdet ist Galveston, eine Inselstadt mit etwa 60 000 Einwohnern vor Houston. Sollte sie direkt getroffen werden, könnte sie zum größten Teil oder sogar ganz überflutet werden, sagte Mayfield.

Stadtdirektor Steve LeBlanc warnte, «Rita» könnte eine Brandung von über 15 Metern verursachen. Der Schutzdamm für die texanische Inselstadt sei aber nur wenig höher als fünf Meter. Galveston glich dem Sender «KTRH» zufolge bereits einer Geisterstadt. Sie war am Donnerstagmorgen (Ortszeit) zu Dreiviertel evakuiert. Die Bevölkerung nehme die Warnungen ernst, sagte Bürgermeisterin Lyda Ann Thomas dem Sender CNN.

Nach ihren Worten haben die Stadtoffiziellen bei der Evakuierung auch aus den Maßnahmen vor und nach dem Hurrikan «Katrina» gelernt. Viele Menschen in New Orleans hätten sich damals geweigert, die Stadt zu verlassen, weil es ihnen nicht erlaubt worden sei, ihre Haustiere mitzunehmen. Die aus Galveston fliehenden Menschen dürften dagegen die bereit stehenden Busse mit Hund, Katze und Kanarienvogel im Schlepptau besteigen.

Alarmstimmung herrschte wieder in New Orleans. Nach den Überflutungen durch «Katrina» wächst die Sorge, dass «Rita» auch noch bei einem Vorbeizug in größerer Entfernung so viel Regen und Sturm bringen könnte, dass die strapazierten Dämme nicht halten. Mit Hochdruck wurde an einer Verstärkung von Dämmen gearbeitet. Bisher wurden mehr als 1000 Tote geborgen. Die Zahl dürfte aber deutlich ansteigen, da die Bergungsarbeiten noch andauern. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben