Hurrikan-Saison : Nach dem Sturm ist vor dem Sturm

Erst kam Gustav, jetzt rasen drei neue potenzielle Hurrikans auf die USA zu. Einer hat in Haiti bereits schwere Schäden angerichtet.

Lars von Törne[St. Paul (Minnesota)]

Funktionierte der Katastrophenschutz besser oder hatten die Bewohner der US-Golfküste und von New Orleans einfach nur Glück? Nachdem die befürchteten Verheerungen durch den Wirbelsturm „Gustav“ ausgeblieben sind, begannen am Dienstag die Aufräumarbeiten – begleitet von einer Debatte über die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen, die die US-Regierung und die besonders von Stürmen betroffenen Küstenstaaten nach den tragischen Folgen des Sturms „Katrina“ vor drei Jahren ergriffen hatten.

Es war der erste Test für die neuen Dämme, die in den vergangenen drei Jahren rund um das tief gelegene New Orleans errichtet wurden. Die meisten Beobachter sahen den glimpflichen Ausgang des „Gustav“-Alarms als Beleg dafür, dass die Dämme den Herausforderungen der Region gewachsen sind. Zwar starben nach letzten Berichten acht Menschen durch die Folgen des Sturms. Die meisten wurden von umfallenden Bäumen erschlagen. Dennoch blieben die Schäden weit hinter denen von „Katrina“ zurück. Für eine abschließende Bilanz war es am Dienstag aber noch zu früh. „Wir beobachten den Sturm weiterhin, weil er die Gegend noch nicht verlassen hat“, sagt Tim Kurgan, Sprecher einer für Katastrophenschutz zuständigen Einheit der US-Armee. Der Wasserstand sei nach wie vor sehr hoch, fügte er hinzu.

Fernsehbilder auf CNN und anderen Nachrichtensendern zeigten, dass das Wasser in manchen Gegenden bis an die obere Kante der Dämme gestiegen war. Niemand vermag zu sagen, was passiert wäre, hätte „Gustav“ die Küste etwas stärker getroffen. „Times are hard“ (Die Zeiten sind hart) hat ein Bewohner der Küstenregion in krakeligen Buchstaben auf einen der Schutzwälle geschrieben.

Harte Zeiten sind dies vor allem für die Bewohner der Stadt New Orleans. Nach dem Sturm ist die alte Debatte wieder aufgekommen, ob die Region überhaupt bewohnbar ist. „Das ist eine Frage, die wir uns vor und nach Katrina gestellt haben – und die wir uns jetzt wieder stellen müssen“, sagt Don Powell, der vor drei Jahren die Wiederaufbauarbeiten der Bush-Regierung in der Golfregion koordinierte, der Zeitung „USA today“. Mit Blick auf die Schutzmaßnahmen und Dämme, die beim Eintreffen von „Gustav“ zum Teil noch gar nicht beendet waren, sagte er: „Es gibt viele Gründe weiterzumachen. Dies ist eine Debatte, die wir weiter führen müssen.“

Für rund zwei Millionen Amerikaner steht aber zunächst nur eine Frage im Vordergrund: wann sie in ihre Häuser zurückkehren können. Sie waren in den vergangenen Tagen aus der betroffenen Region in sicherere Gebiete im Landesinneren gebracht worden und müssen auch die kommenden Tage in Notunterkünften verbringen. Aber im Gegensatz zu vor drei Jahren ist es diesmal aber „keine Frage von Wochen, sondern von Tagen“, bis sie wieder nach Hause können, wie der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, sagte.

Dass die Debatte über die Bewohnbarkeit der Region mit dem Abflauen von „Gustav“ noch lange nicht vorbei ist, zeigte auch der Wetterbericht vom Dienstag, den die US-Fernsehsender mit dramatischen Sturmbildern unterlegten: Nach „Gustav“ nähern sich inzwischen drei weitere potenzielle Wirbelstürme der US-Golfküste, von den Meteorologen „Hanna“, „Ike“ und „Josephine“ getauft. Wetterexperten der Colorado State University gehen davon aus, dass zwei von ihnen sich zu besonders starken Stürmen entwickeln werden.

„Hanna“ hat in Haiti bereits mindestens zehn Menschen das Leben gekostet. Nach heftigen Regenfällen stand dort die 300 000-Einwohner-Stadt Gonaives unter Wasser. Der Sturm zog mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern über Haiti. In den USA wird er am Freitag oder Samstag erwartet.

Viele Bewohner von New Orleans, die trotz der von der Regierung angeordneten Evakuierung in der Stadt geblieben waren, zeigten sich dennoch trotzig optimistisch. „Wir sind hart, wir geben nicht auf“, sagte ein Imbissbesitzer, der sich am Dienstag darauf vorbereitete, sein Geschäft wieder zu öffnen, einem US-Fernsehsender.

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