Hurrikan : "Wilma" bringt Tod und Zerstörung

Monsterhurrikan "Wilma" hat in Mexiko am Wochenende mindestens acht Menschen in den Tod gerissen und massive Zerstörungen angerichtet.

Mexiko-Stadt - Die Häuser und Wohnungen von mindestens einer Million Menschen wurden beschädigt. Unterdessen baute sich südlich der Dominikanischen Republik bereits ein neuer Tropensturm auf. «Alpha» ist der 22. Sturm der Saison 2005 und bricht damit den bisherigen Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 100 Jahren. Die deutschen Reiseveranstalter sagten indes alle Reisen in das vom Hurrikan «Wilma» betroffene Gebiet ab. Der Sturm wird am Montagmorgen (Ortszeit, 1300 Uhr MESZ) mit schweren Regenfällen, Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometer und einer mehr als zwei Meter hohen Sturmflut in Florida erwartet.

Die meisten der Opfer des verheerendsten Wirbelsturms in der Geschichte Mexikos seien ertrunken oder von herumwirbelnden Ästen oder Metallteilen erschlagen worden. Dies berichteten nationale Medien am Sonntag unter Berufung auf Behörden. Nach Medienangaben starb ein Mensch durch Glassplitter, als er den Sturm durch ein Fenster beobachten wollte. Die Scheibe sei durch den Wind förmlich «explodiert» und habe sie in tödliche Glasprojektile verwandelt. Zwei Jugendliche starben bei einem Feuer, das eine herumfliegende Gasflasche ausgelöst hatte. Über das Ausmaß der Zerstörungen in der Stadt Cancún mit 600 000 Einwohnern berichtete ein Augenzeuge, es sehe aus, als ob «ein Riese in der Stadt herumgetrampelt sei» und nach Lust und Laune Zerstörungen angerichtet habe. «Cancún ist zerstört», wurde auch Vizeadmiral Martín Fernández zitiert.

Am Sonntag wurden auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán Lebensmittel und Trinkwasser knapp. Nachdem sich das Wetter einigermaßen beruhigt hatte, verließen viele Menschen ihre Notunterkünfte. Nach etwa 30 Stunden in den engen und stickigen Räumen waren die Vorräte für zehntausende Menschen, darunter viele Touristen, aufgebraucht. Die Infrastruktur war jedoch weitgehend zusammengebrochen und die meisten Geschäfte zerstört.

Hurrikan «Wilma» richtete die größten Schäden in Cancún und auf der Insel Cozumel an, sagte der Gouverneur des Staates Quintana Roo auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, Felix González. Meterhohe Wellen peitschten am Wochenende an die Küste der Region. Auf der Insel Isla Mujeres gingen binnen 24 Stunden mehr als 1500 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Der Strom fiel aus, Wasser stand teils eineinhalb Meter hoch in den Straßen von Cancún und erreichte bei einigen Hotels in Strandnähe den dritten Stock. In der Region hatten sich rund 34 800 Touristen, darunter rund 6000 Deutsche, aufgehalten.

Die mexikanischen Behörden verloren am Samstag jeglichen Kontakt zu der Ferieninsel Cozumel. In Cancún kam es zu Plünderungen. 50 Menschen seien festgenommen worden.

Der Hurrikan «Wilma» schwächte sich am Sonntag zunächst weiter ab. Die Meteorologen erwarteten, dass er am Montagmorgen den Golf von Mexiko erreicht und dann nach Nordosten Richtung Kuba und Florida zieht. Die Zerstörungen sind nach Ansicht der Fachleute vor allem darauf zurückzuführen, dass «Wilma», jetzt Kategorie zwei, sich so langsam fortbewegte und seine zerstörerische Kraft auf eine Region konzentriert.

Kuba im Alarmzustand: Auf der Antillen-Insel wurden mehr als eine halbe Million Menschen in Sicherheit gebracht. Dort werden schwere Regenfälle, Erdrutsche und Überschwemmungen befürchtet.

Angst in Florida

Angst auch in Florida: «Wilma» wird nach Angaben des nationalen Hurrikan-Zentrums der USA über den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko wieder an Stärke zulegen. Die 26 000 Einwohner der Key-West- Inselgruppe wurden zur Evakuierung aufgefordert. Der Flughafen und viele Geschäfte wurden geschlossen. 8000 Armeeangehörige sowie Regierungsmitarbeiter wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

«Wilma» ist der 7 Hurrikan in 14 Monaten, der Florida heimsucht. Die besonders bedrohten Bezirke an der Südwestküste Floridas haben am Sonntag die Evakuierung fortgesetzt. 70 000 Einwohner von Naples und Umgebung sollen ihre Häuser verlassen. Zwangsevakuierungen wurden für die nördlich von Naples gelegenen Städte Sanibel und Fort Myers angeordnet.

Die deutschen Reiseveranstalter sagten alle Flüge in das vom Hurrikan betroffene Gebiet ab. Eine Sprecherin des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes sagte am Sonntag, diese Regelung gelte bis einschließlich 2. November. Die Veranstalter würden Kontakt zu Kunden aufnehmen. Diese könnten sich über Hotlines informieren, die auf Internet-Seiten der Veranstalter zu finden sind.

Der neue Tropensturm «Alpha» ist der 22. Sturm der Saison 2005. Der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 65 Kilometern pro Stunde sollte in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) über die Dominikanische Republik hinwegziehen. Dort und im Nachbarland Haiti wurden Sturmwarnungen herausgegeben. Wegen der befürchteten Regenfälle werden vor allem Überschwemmungen und Erdrutsche erwartet. (tso/dpa)

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