Hygiene : Ort ohne Örtchen

2,6 Milliarden Menschen haben keine Toilette – für Kinder ist das gefährlich. Wegen fehlender sanitärer Anlagen sterben jährlich 5000 von ihnen an Durchfallkrankheiten.

Dagmar Dehmer

BerlinUschi Eid wünscht sich ein Foto ihrer früheren Chefin mit einem afrikanischen Staatschef, wie die beiden eine Toilettenanlage einweihen. Die frühere Staatssekretärin im Entwicklungsministerium und stellvertretende Vorsitzende von UNSGAB, einem Beraterkreis für Wasser und Sanitärversorgung des UN- Generalsekretärs, hat sich dem Thema sanitäre Grundversorgung schon lange verschrieben. Die diesjährige Weltwasserwoche, die noch bis zum 23. August in Stockholm stattfindet, nimmt das Thema auf. Denn täglich sterben 5000 Kinder an Durchfallerkrankungen, die sie sich wegen fehlender Toiletten geholt haben.

Auf das Foto mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und einem afrikanischen Staatschef wartet die grüne Bundestagsabgeordnete schon lange. Aber an Gelegenheiten würde es nicht mangeln. Rund 2,6 Milliarden Menschen auf der Welt haben keine Toilette.

In Kibera, dem größten Slum Ostafrikas in Nairobi, lösen die Bewohner das Problem mit sogenannten fliegenden Toiletten – im Wortsinne. Die Notdurft wird in Plastiktüten verrichtet, diese werden aus dem Haus geworfen, meistens vor die Haustür eines Nachbarn. Wenn es regnet, werden die oft ohnehin nicht dichten Plastiktüten in die Gräben entlang der Straßen geschwemmt, und dort spielen immer kleine Kinder.

Erich Stather, Staatssekretär im Entwicklungsministerium fordert anlässlich der Weltwasserwoche „mehr Aufmerksamkeit“ für das Thema. Deutschland investiert nach seinen Angaben 350 Millionen Euro im Jahr für die sanitäre Grundversorgung. Für die Wasserversorgung insgesamt sind es vier Milliarden Euro.

Dass Toiletten auch etwas mit Würde zu tun haben, wissen alle, die keine haben. In einem Armenviertel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba hat deshalb eine Nachbarschaftsinitiative sieben öffentliche Toiletten und eine Dusche mit einer Solaranlage zur Warmwasserbereitung gebaut. „Jetzt können die Leute sauber zu einem Vorstellungsgespräch gehen“, sagt die Leiterin des Projekts, das von der Kindernothilfe unterstützt wird. An die Latrinen angeschlossen ist ein Projekt, das aus den Resten Biogas gewinnt und dieses zur Stromerzeugung einsetzt. Ein Beispiel für Kreislaufwirtschaft, findet Albert Eiden von der Kindernothilfe.

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