ICE-Unfall : Schwere Vorwürfe gegen Bahn

Im Zusammenhang mit dem ICE-Unfall im Landrückentunnel bei Fulda im Mai diesen Jahres werden der Bahn nun zahlreiche Sicherheitslücken vorgeworfen. Damals war ein ICE in eine Schafherde gerast.

ICE Foto: dpa
Bei dem ICE-Unfall im Landrückentunnel bei Fulda wurden mehr als 20 Schafe getötet und 19 Menschen verletzt. -Foto: dpa

Fulda/WiesbadenEin halbes Jahr nach dem ICE-Unfall im Landrückentunnel bei Fulda werden der Bahn in einem Gutachten schwere Vorwürfe gemacht. Ein neun Seiten langer Mängelbericht des Regierungspräsidiums Kassel (RP) listet zahlreiche Defizite im Notfallmanagement und Sicherheitslücken auf. Unter anderem seien der Informationsfluss und die Alarmierung der Einsatzkräfte seitens der Leitstellen der Bahn "mangelhaft" gewesen, heißt es in dem Papier. Zudem habe sich die wiederholte Aussage der Bahn, die Sicherheit der Strecke Hannover-Würzburg sei gewährleistet, "als nicht richtig erwiesen", so das Fazit der Analyse. Sie fordert, "alle Anstrengungen zu unternehmen, um das System zu verbessern."

Die Staatsanwaltschaft Fulda prüft den Bericht. Sie will dazu eventuell am Montag kommender Woche Stellung nehmen. Das Gutachten wirft der Bahn-Notfallleitstelle in München vor, das Ausmaß des Unfalls "heruntergespielt" und "offensichtlich in Unkenntnis der wirklichen Lage, den Einsatz des Rettungszugs aus Würzburg behindert" zu haben. Die Hilfskräfte des Main-Kinzig-Kreises seien gar nicht informiert worden. Weiter heißt es, ein Fahrer des Bahn-Rettungszugs sei nach Aussage eines Feuerwehrmanns angetrunken gewesen, dem zweiten Fahrer hätten notwendige Kenntnisse gefehlt.

Außerdem seien Rettungszüge ledigliche eine "Notlösung mit begrenzter Rettungskapazität". Die Türen zu den rettenden Stollen im Tunnel seien abgeschlossen gewesen: "Die Herausgabe der Schlüssel an die Feuerwehr wird seitens der Bahn abgelehnt." Der Bericht aus dem Kasseler Brand- und Katastrophenschutzdezernat kommt zu dem Schluss, auf der Schnellfahrstrecke fehlten "zwingend erforderliche technische Ausstattungen, die heute Stand der Technik sind". Lobend erwähnt wird der Einsatz der Rettungskräfte.

Bahn: Unverantwortliche Panikmache

Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) hat den Mängelbericht bereits Anfang November an Bahn-Chef Hartmut Mehdorn geschickt. In einem Begleitbrief bezeichnet Bouffier die Erkenntnisse als "bedenklich" und fordert von Mehdorn bauliche Verbesserungen an den Tunneln. Darüber hinaus solle die Bahn Gespräche mit dem Regierungspräsidium aufnehmen. Ziel sei es, "Verbesserungen, was die Sicherheit dieses Tunnels angeht, zu erzielen", sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Bislang habe die Bahn den Brief nicht beantwortet.

Diese bezeichnete Veröffentlichungen über angebliche Sicherheitsmängel an Tunneln am Freitag als "unverantwortliche Panikmache". Rettungskonzept und Beschaffenheit des Landrückentunnels entsprächen geltenden Rechtsvorschriften.

Bei dem Unfall am 26. April war ein ICE an der Einfahrt zu Deutschlands längstem Eisenbahntunnel in eine Schafherde gerast. 19 Menschen wurden verletzt, mehr als 20 Schafe getötet. Der Tunnel war erst nach rund sieben Wochen wieder beidseitig befahrbar. (ah/dpa)

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