ICE-Unglück : 600 Fahrgäste steckten drei Stunden im Tunnel

In der Nähe von Würzburg hatte der Zug einen Mann erfasst, die Polizei geht von einem Selbstmord aus. Die Fahrgäste wurden nach drei Stunden mit einem Hilfszug gerettet, in den sie im Tunnel umsteigen musste. Verletzt wurde niemand.

Sophie Crocoll
Dieser Hilfszug brachte die Passagiere aus dem Neuberg-Tunnel in Unterfranken.
Dieser Hilfszug brachte die Passagiere aus dem Neuberg-Tunnel in Unterfranken.Foto: dpa

Rund dreieinhalb Stunden saßen am Montag 600 ICE-Passagiere in einem Tunnel in der Nähe von Würzburg fest. Der ICE hatte auf der Strecke von Frankfurt nach Würzburg einen Mann erfasst und kam nach einer Notbremsung in dem rund zwei Kilometer langen Neuberg-Tunnel bei Margetshöchheim zum Stehen, teilte das Polizeipräsidium Unterfranken mit. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Der Lokführer habe einen schweren Schock erlitten.

Der ICE war von Hamburg-Altona nach München unterwegs, als es zu der Vollbremsung kam. Die Gleise wurden auf einer Strecke von rund 25 Kilometern zunächst in beiden Richtungen komplett gesperrt. „Wir haben die Züge auf der Nord-Süd-Strecke zwischen Würzburg und Hannover über Gemünden im Maintal umgeleitet“, sagte ein Bahn-Sprecher. Dadurch seien Verspätungen von rund 20 Minuten entstanden. Der Ersatzzug habe gegen zwölf Uhr für die Reisenden bereitgestanden, kurz nach 13 Uhr hätte die Fahrt nach München weitergehen können.

Neben der Polizei waren rund 50 Feuerwehrleute und 50 Sanitäter im Einsatz, sagte Heinz Geißler, Kreisbrandrat des Landkreises Würzburg. Zuerst wollten die Rettungskräfte die Bahnreisenden zu den Tunnelausgängen führen, um sie von dort aus zum nächsten Bahnhof zu bringen. Später entschloss sich die Bahn aber dazu, die Passagiere in einen Ersatzzug umsteigen zu lassen.

Die Feuerwehr habe den Reisenden geholfen, im Tunnel in diesen umzusteigen, so Geißler. Dafür gibt es spezielle Brücken, die zwischen die Türen der beiden Züge gelegt werden. „Die meisten Passagiere konnten so auf einer Höhe von einem Zug in den anderen gehen“, erklärte Björn Jungbauer, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Margetshöchheim. Die Feuerwehr habe den Reisenden auch geholfen, ihr Gepäck zwischen den beiden Zügen zu transportieren.

Auch zwei Rettungszüge der Bahn aus Würzburg und aus Fulda wurden an den Tunnel gebracht, sie wurden aber nicht eingesetzt. Diese Züge sind von der Bahn auf Strecken mit vielen Tunneln vorgesehen, sie haben vorne und hinten eine Lok mit starken Scheinwerfern und einer Wärmebildkamera für den Einsatz in verrauchten Tunneln. Angehängt sind ein Geräte- und ein Sanitätswagen, in dem auch Notoperationen durchgeführt werden können. Außerdem werden in den Zügen rund 20 000 Liter Löschwasser transportiert. Im Ernstfall können damit Reisende aus einem Tunnel gerettet werden.

Die Passagiere blieben bei der Vollbremsung unverletzt. „Die Sanitäter waren auch vorsorglich am Tunnel, da im Zug die Klimaanlage ausgefallen ist“, sagte Kreisbrandrat Geißler. Es sei aber keiner der Reisenden kollabiert, die Sanitäter hätten niemanden versorgen müssen. „Die Klimaanlage war nur etwa zehn Minuten außer Betrieb“, entgegnete der Bahn-Sprecher. In dieser Zeit sei der Strom an der Oberleitung direkt nach dem Unfall vorsorglich ausgeschaltet worden. Ansonsten habe die Stromversorgung aber durchgehend funktioniert, die Züge seien ganz normal beleuchtet gewesen.

Der ICE, der an dem Unfall beteiligt war, wurde am Nachmittag aus dem Tunnel geschleppt und auf Spuren hin untersucht, sagte der Polizeisprecher. Dann wolle auch die Bahn prüfen, ob am Zug ein Schaden entstanden sei, sagte der Sprecher des Unternehmens. Wegen der Ermittlungen blieb die Strecke zunächst gesperrt, sie wurde im Laufe des Nachmittags wieder komplett freigegeben. Die Hintergründe des Selbstmords waren zunächst unklar, der Getötete war noch nicht mit letzter Sicherheit identifiziert.

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