Welt : Ich bin doch nicht blond

Cate Blanchett spielte eine Königin und eine Terroristin. Jetzt wird sie erschossen – als Journalistin

Daniela Sannwald

Eine Blondine will sie keinesfalls sein: „Mein Haar ist hell verwaschen“, sagt Cate Blanchett. Und tatsächlich hat sie schon sämtliche Haarfarben getragen, die zumindest das natürliche Spektrum hergibt: tiefes Schlampenschwarz als untreue, saufende Ehefrau von Kevin Spacey in „Schiffsmeldungen“ und feine silbrige Fädchen als Elfenkönigin Galadriel in „Der Herr der Ringe“. In „Die Liebe der Charlotte Gray“ war sie zuerst eine blonde Britin, dann als Undercover-Agentin, eine brünette Französin. Das Interessante an Blanchett ist, dass sie sich jeglichem Klischee entzieht: Sie ist mal verhuscht, mal glamourös, mal intellektuell, mal ordinär, und dann wieder adrett wie eine Krankenschwester. Jetzt also hell verwaschen. Kenner würden sagen: rotblond, wie es sich für eine Irin gehört. Blanchett spielt nämlich in dem Film mit dem wenig originellen Titel „Die Journalistin“ eine Journalistin (siehe Kasten). Da passt ein eigenwilliges Rotblond ganz gut.

Die 1969 geborene Australierin ist als Kind eines texanischen Vaters und einer australischen Mutter in Melbourne aufgewachsen, wo sie auch lustlos ein Kunststudium begann. Dann merkte sie, dass sie lieber reisen als studieren wollte, flog nach England, hing dort ein bisschen herum und ging vermutlich häufig ins Theater. Denn als sie nach Melbourne zurückkehrte, hatte sie zwar kein Geld mehr, aber dafür einen Plan: Sie wollte Schauspielerin werden. Also studierte sie am „National Institute of Dramatic Art“ und wurde gleich anschließend Ensemblemitglied der Sydney Theatre Company. Sie spielte Shakespeare und Tschechow, und sie gewann innerhalb kürzester Zeit sämtliche Preise, die man auf australischen Bühnen überhaupt gewinnen kann.

Künstliche Aufregung am Set

Kein Wunder, dass das Fernsehen auf sie aufmerksam wurde und lukrative Angebote machte. Allerdings wollte Blanchett eigentlich nie mehr vor irgendeine Kamera: Sie war nämlich bei einem Ägyptentrip während ihres Europaaufenthaltes schon einmal als Statistin gecastet worden, als Zuschauerin bei einem Boxkampf. Den bei Dreharbeiten üblichen Aufwand und die künstliche Aufregung auf dem Set fand sie jedoch albern. Sie wollte eine ernsthafte Schauspielerin sein. Auch das hat sie immer wieder betont, beispielsweise, als sie es ablehnte, in der in Australien enorm populären und seit 1985 pausenlos ausgestrahlten TV-Serie „Neighbours“ aufzutreten.

Schließlich ließ sie sich aber doch überzeugen und wurde auch mit ihrem Fernsehdebüt „Heartlands“ gleich wieder zum Liebling des Publikums und der Kritiker. Ihre erste Spielfilmrolle hatte sie 1997 in „Paradise Road“, bei dem ihr Landsmann Bruce Beresford Regie führte. Darin spielte sie eine schüchterne Krankenschwester, die mit anderen Frauen in einem japanischen Gefangenenlager des Zweiten Weltkriegs ums Überleben kämpft.

Und dann kam schon bald „Elizabeth“, ein Drama um die Macht und ihren Preis, in dem Cate Blanchett endlich einem internationalen Publikum zeigen konnte, was in ihr steckte. Und das war ganz schön viel. Sie spielte die langsame Wandlung der jungen, in Joseph Fiennes verliebten Thronfolgerin zur hartherzigen Herrscherin, der „jungfräulichen Königin“, mit beinahe furchterregender Bravour. Härte, Verhärmtheit und ein gewisser Fundamentalismus sind sozusagen ihr Fach, und damit verdiente sie sich eine Oscar-Nominierung. Daran sollte sich Tom Tykwer erinnern, als er sie in seinem auf der Berlinale 2002 von der Kritik gefeierten Terroristenmelodram „Heaven“ besetzte. Man konnte ihre Rolle als verblendete und gleichzeitig verliebte Bombenattentäterin oder gleich das ganze Drehbuch absurd finden, gegen Blanchetts Darstellung zwischen Hysterie und Pragmatismus ist jedoch nichts einzuwenden. Sie ist eine gute Schauspielerin, und das heißt, sie beherrscht die Klaviatur der Gefühle virtuos und mobilisiert die Emotionen der Zuschauer perfekt. Selbst noch, wenn sie als spitzohrige Elfenkönigin Galadriel im Blockbuster „Der Herr der Ringe“ auftritt, ja, vielleicht gerade dann.

Klaviatur der Gefühle

Seit 1997 ist Cate Blanchett mit dem Theaterregisseur und Drehbuchautor Andrew Upton verheiratet, auch er Australier. Die beiden leben in London, wo sie eine Filmproduktionsfirma gegründet haben, um gemeinsame Projekte realisieren zu können. Ein anderes gemeinsames Projekt ist ihr 2001 geborener Sohn Dashiell – benannt nach dem Kriminalschriftsteller Dashiell Hammet. Für Skandale im echten Leben taugt Cate Blanchett also nicht. Auch wenn sie blond wäre.

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