Welt : Ich gestehe!: Eva Herman, Tagesschau-Sprecherin und Moderatorin

Dass ich nicht die Geschickteste unter dieser Sonne bin, weiß ich. Dennoch kann ich es in den meisten Fällen gut verbergen. Schließlich bin ich eine relativ erfolgreiche Fernsehmoderatorin geworden, die sich, ohne zu stürzen und sich die Gräten zu brechen, frei vor Kameras bewegen kann. Auch vom Nachrichtenpult bin ich während der Sendung um acht noch nicht gerutscht. Trotzdem war unvermeidlich, dass geschah, was geschehen musste: Ich besuchte meine Schulfreundin in einer fremden Stadt und ging mit ihr aus. Stolz zeigte sie mir ihr Lieblingsrestaurant, in dem sie sehr bekannt zu sein schien. Höflich und mit persönlicher Anrede wurde sie begrüßt, und wir bekamen einen hübschen Platz an der Bar, um einen Aperitif zu nehmen. Keine Ahnung, ob es am Prosecco lag oder ich mit ihr die Vergangenheit so intensiv erlebte, dass ich mich psychisch in ein Alter zurückentwickelte, das nichts mit meinem derzeitigen Status zu tun hatte und deswegen jegliche beruflich anerzogene Eleganz aus meinen Blutbahnen verschwunden war. Auf jeden Fall versuchte ich ihr zu erklären, welcher Tanzschritt mir als Jugendliche im Kurs der Liebste gewesen war, um ungeliebte Partner stolpern zu lassen. Schwungvoll drehte ich mich auf dem Barhocker um, schwang das rechte Bein und - schwupps - flog mein hellroter, italienischer Pumps in hohem Bogen durch das feine Restaurant und landete auf dem Hauptspeisenteller eines berühmten Bundesliga-Sportlers, wo sich der Bleistiftabsatz in sein Schnitzel bohrte. Unser Essen nahmen wir dann in einem anderen Restaurant ein.

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