Welt : Ich gestehe: Heinz-Rudolf Kunze, Pop-Rocker

Bea Schnippenkoetter

Ich erzähle meine Geschichte, weil ich damit auch die Möglichkeit habe, öffentlich zu sagen, dass es mir furchtbar Leid tut: Vor einigen Jahren saß ich in einer Talkrunde im Fernsehen zusammen mit einer sehr bekannten, erfahrenen Schauspielerin, die offensichtlich einen schlechten Tag hatte. Sie war furchtbar nervös und erfüllte in ihrem Benehmen alle Klischees, die man über reifere Schauspielerinnen im Kopf haben kann: aufgekratzt und hektisch unterbrach sie die anderen ständig, ließ niemanden richtig zu Wort kommen - offenbar ging es ihr nicht gut, was mir erst später richtig klar wurde. Jedenfalls fühlte ich mich von ihr aus dem Konzept gebracht durch ihre ständigen Einwürfe. Am Ende stürmte ich wutentbrannt in die Garderobe, wo meine Managerin saß. Ich war völlig aufgebracht und schäumte sie an, was das für ein entsetzliches Wesen sei, einfach nicht auszuhalten. Meine Managerin rollte mit den Augen, zeigte auf eine unscheinbare Gestalt hinter ihr und zischte mich durch zusammengebissene Zähne an: da sitzt ihr Mann. Ihr Mann, auch ein bekannter Schauspieler, schaute mich fassungslos und im Grunde genommen auch wehrlos an, japste nach Luft und sagte so kleinlaut und zerknittert, dass ich ihn am liebsten in den Arm genommen hätte: Sie sind eine Wurst. Daraufhin stürmte er aus dem Raum. Es war mir wahnsinnig peinlich, weil er insgeheim wusste, dass ich - in der Fernsehsituation - Recht hatte. Letztendlich war ich wahrscheinlich sehr ungerecht. Es tut mir furchtbar Leid. Das war sicher das Peinlichste, was mir in meinem Berufsleben passiert ist. Ich tue so etwas nie wieder.

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