Welt : Ich gestehe!: Jeremy Thomas, Filmproduzent "Der letzte Kaiser"

Bea Schnippenkoetter

Filmproduzenten sollte eigentlich nichts peinlich sein, aber an eine Sache erinnere ich mich noch heute, als wäre es gestern gewesen. Ich war mit Bernardo Bertolucci in Peking, weil wir dort "Der letzte Kaiser" drehten. Damit wir jeweils sehen konnten, was wir gedreht haben, brauchten wir jemanden, der Bild und Ton zusammenfügt. Der Cutter, der das üblicherweise macht, war jedoch noch nicht eingetroffen. Da meinten Bernardo, der Regisseur, und Vittorio Storaro, der Kameramann, dass ich doch einspringen solle. Schließlich hätte ich doch, bevor ich Produzent wurde, als Cutter gearbeitet. Das war zwar schon 15 Jahre her, aber ich willigte ein: "Kein Problem" sagte ich, setzte mich in einen Schneideraum und fing mit der Arbeit an. Bild und Ton synchron zu legen, gehört auch für einen ehemaligen Cutter zum "Einmaleins". Aber 15 Jahre sind eben doch eine lange Zeit, und als wir mit dem ganzen Team im Kino saßen, um die Muster des ersten Drehtags anzuschauen, passte nichts zusammen.

Man hörte Leute sprechen, die den Mund zu hatten, und in anderen Szenen sah man sie tonlos nach Luft schnappen. Ich stand wie ein Idiot da. Und für einen Produzenten ist das von besonderer Peinlichkeit, weil der ja ständig vom ganzen Team Kompetenz einfordern muss. Die Leute waren nicht sauer auf mich, sondern eher belustigt, aber sie sorgten dafür, dass ich die Sache nicht vergesse. Ich wurde noch lange damit aufgezogen, was für ein Glück es sei, dass ich Produzent geworden bin, denn als Cutter wäre ich ja wohl ein hoffnungsloser Fall.

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