Welt : Ich gestehe!: Rita Süssmuth, CDU-Abgeordnete

Bea Schnippenkoetter.

Es war am 26. Oktober 1996 im Deutschen Bundestag, dem ich als Präsidentin vorsaß. Die SPD hatte eine Sondersitzung zum Haushalt beantragt. Bundeskanzler Helmut Kohl war zu der Zeit mit einer Delegation in China, und natürlich war der Widerwille meiner Fraktion und der FDP groß, zu dieser Sondersitzung zu kommen. Aber es ist das Recht einer Fraktion, eine Sondersitzung zu beantragen und nach unserem Gesetz ist die Sitzung dann auch einzuberufen. In dieser Haushaltsdebatte schlugen die Emotionen sehr hoch und in der Sache gingen wir am Ende ohne Ergebnis auseinander. Normalerweise muss ich mein Mikrofon am Ende einer Sitzung selber ausschalten. An jenem Tag habe ich es aus irgendeinem Grund nicht getan. Stattdessen habe ich vor mich hingeredet und dabei vergessen, dass das Mikrofon noch an war. Deshalb konnte jeder hören, als ich sagte: Das ist ein einziges Affentheater! Es steht mir als Präsidentin nicht zu, eine Parlamentssitzung so zu bewerten. Ich wusste nicht, ob meine Bemerkung gehört worden war. Am nächsten Tag las ich sie in den Zeitungen. Wie werden die Parlamentarier reagieren? Wird es eine Rüge geben? Aber die meisten Reaktionen und Kommentare aus dem Plenum waren eher schmunzelnd und ironisch. Diese Sitzung hatte heftige Diskussionen im Vorfeld und danach ausgelöst. Die CDU wollte sie nicht. Die SPD bestand darauf. Wenn dann eine solche Sondersitzung, die außerhalb der Sitzungswoche stattfindet, so von mir kommentiert wird, ist das hochpeinlich. Aber die Rüge blieb aus.

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