Welt : Ich gestehe!: Susann Atwell, Fernsehmoderatorin

Bea Schnippenkoetter

1997, als ich gerade anfing, für Pro7 zu arbeiten, war ich mit meinem Kamerateam erstmals bei den Filmfestspielen in Cannes. Wir gingen, fein angezogen und herausgeputzt, auf eine Charity-Veranstaltung. Mein Auftrag war, mich unter die Stars zu mischen und etwas von dem Glamour dieses Abends einzufangen. Ich war nicht darauf vorbereitet, Interviews zu machen. Als wir auf dem exklusiven roten Teppich standen, ergab sich die Möglichkeit, ein Gespräch mit dem damaligen Jurypräsidenten Francis Ford Coppola zu führen. Ich war wahnsinnig aufgeregt, und es fiel mir spontan keine Frage ein. Da wollte ich doch tatsächlich von ihm wissen, wo er seinen Smoking und seine Schuhe her habe. Es war total albern, und er schaute mich auch an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. In meiner Verzweiflung wandte ich mich hilfesuchend an meinen Kameramann, der mir zuflüsterte, Francis Ford Coppolla habe ja "Der Pate" gedreht und meinte, ich solle ihn fragen, wann er den zweiten Teil drehen würde. Und so kam es, dass ich Francis Ford Coppola, der bekanntlich längst schon einen dritten Teil gedreht hatte, fragte, wann er denn nun endlich den zweiten Teil drehen würde. Seine Reaktion fiel äußerst trocken aus, und ich wäre am liebsten auf der Stelle im Boden versunken. Es war so schrecklich, dass wir beide schnell das Weite gesucht haben. Ich wüsste übrigens gerne, wo diese Aufnahme abgeblieben ist und hoffe, dass die Kassette längst dem Löschkopf zum Opfer gefallen ist. Ich fürchte mich nämlich bis heute davor, dass sie eines Tages wieder auftauchen könnte.

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