Welt : Ich gestehe!: Werner Schneyder, Kabarettist

Es war zur Zeit des Kabarettduos Dieter Hildebrandt - Werner Schneyder, als uns das Engagement ereilte, eine Radiosendung "Bayern-Bonn-Berlin" durch drei Doppelconferencen zu bereichern. Wir trafen in Bonn am Tag des Auftritts ein und erfuhren durch das Plakat, wir führten durch den Abend, hätten also auch die zahlreichen Auftretenden anzusagen. Zerknirscht teilte mir Hildebrandt mit, das zu erwähnen, hätte er wahrscheinlich vergessen. Eine Tätigkeit als Conférencier, also als Ansager von Damen und Herren, die zum Großteil Sachen darböten, die mir nicht gefielen, lehnte ich ab. Hildebrandt bot an, mich die von mir anzusagenden Personen aussuchen zu lassen und alle von mir als unter meiner Würde angesehenen selbst anzusagen. Darauf ließ ich mich huldvoll ein, suchte mir gute Leute aus und als letzte das damals sehr erfolgreiche Gesangsduo Inga & Wolf. Der Abend lief klaglos, dennoch hatte ich das Gefühl, gelinkt worden zu sein. Es kam zu meiner letzten Ansage. Ich machte einen politischen Joke, der kam an, ich war erleichtert und sagte im Gefühl des Mirnichtsvergeben- und Allesüberstandenhabens: "Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, habe ich nur mehr das Vergnügen, ihnen anzukündigen - Inga & Wolf mit ihren stimmungslosen Liedern." Als daraufhin ein Lacher anschwoll, den ich mir nicht erklären konnte, begann ich stumm das Gesagte zu rekapitulieren. Der Schweiß schoss mir aus allen Poren. Heute noch, wenn ich die Geschichte erzähle, wird mir leicht übel. Und ich habe immer noch Respekt für die Haltung des Gesangsduos, das mir geglaubt hat, ich hätte "stimmungsvoll" sagen wollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben