• Ich gestehe!: Würden Sie fremden Leuten eine Geschichte erzählen, die Ihnen peinlich ist? Hier traut sich einer

Welt : Ich gestehe!: Würden Sie fremden Leuten eine Geschichte erzählen, die Ihnen peinlich ist? Hier traut sich einer

Bea Schnippenkoetter

Wer behauptet, ihm sei noch nie etwas peinlich gewesen, ist entweder ein Stumpfbold, ein Aufschneider oder ein Verdränger. Meine Frau sagt zwar, ich sei der größte Verdränger - aber ich bin da anderer Meinung. Folgende peinliche Geschichte ist mir noch sehr präsent: 1949 musste man ein Zimmer nachweisen, um eine Zulassung zur Universität zu bekommen. Ich bekam Zimmer und Studienplatz in München. Bei erster Gelegenheit wollte ich mir die Gegend anschauen. Ich nahm den Zug nach Berchtesgaden. Auf der Rückfahrt saßen zwei Hütchenspieler im Waggon, die mich bald fragten, ob ich mitspielen wolle. Bis wir ankamen, hatte ich das Wenige, was ich besaß, verloren. Dann habe ich mich nicht entblödet, die beiden auch noch zu fragen, ob sie mir genug Geld lassen könnten, um zu Hause anzurufen. Hohnlachend haben sie mich auf dem Bahnsteig stehen gelassen. Ich habe mich geschämt. Es war noch kein Jahr nach der Währungsreform und das Geld war sehr knapp. Ich bat auf der Polizeiwache, telefonieren zu dürfen. Dort hat meine Geschichte nicht überrascht, denn sie kannten solche Bauernfänger. Das alles war mir peinlich, insbesondere vor meinen Eltern, die mir aushalfen. Seither bin ich völlig gefeit gegen jede Neigung zum Geldspiel. Dennoch bin ich mit meinem monatlichen Wechsel nicht gut ausgekommen. Als ich Weihnachten nach Hause kam, lagen unter dem Tannenbaum die Telegramme mit meinen Bitten um Nachzahlung. Meine Enttäuschung hat meine Eltern erheitert - dann haben sie mich in ein Nebenzimmer geführt, wo die Geschenke lagen.

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