• Ich gestehe!: Würden Sie fremden Leuten eine Geschichte erzählen, die Ihnen peinlich ist? Hier traut sich einer

Welt : Ich gestehe!: Würden Sie fremden Leuten eine Geschichte erzählen, die Ihnen peinlich ist? Hier traut sich einer

Bea Schnippenkoetter

Ein peinliches Erlebnis, an das ich mich mittlerweile sogar schon ganz gerne erinnere, weil es sogar so etwas wie eine Pointe hat, ist mir vor Jahren in Frankfurt widerfahren. Ich wohne hier in der Neuhausstraße. Es gibt aber auch eine Neuhofstraße. Eines Abends setzte ich mich in ein Taxi und sagte dem Taxifahrer womöglich etwas nuschelig: Neuhausstraße. Wie die Dinge lagen, hatte der Taxifahrer offenbar Neuhofstraße verstanden. Er setzte sich in Bewegung und nach und nach nahm ich wahr, dass wir in die falsche Richtung fuhren. Der Tag war anstrengend gewesen für mich, und ich begann, mich zu erregen. Ich fragte, wohin er fahre, das sei doch die falsche Richtung. Er erwiderte, ich hätte doch Neuhofstraße gesagt. Er war ein ausländischer Mitbürger, konnte sich grammatikalisch nicht ganz richtig artikulieren. Ich wurde noch erregter, meinte: Ich habe ja wohl ganz klar und deutlich Neuhausstraße gesagt und erwarte, auch in die Neuhausstraße gefahren zu werden. Da tat er auf einmal etwas, was mich vollkommen beschämte: Er sagte zu mir: "Was rege Sie sich auf Chef? Lebe is kurz. Stelle wir Uhr ab. Fahre wir Neuhausstraße. Schluss mit Streitmache, Friede is besser" - so etwas geradezu Biblisches. Den Rest der Fahrt war ich damit beschäftigt, mich zu entschuldigen. Die Fahrt währte noch eine ganze Strecke. Ich fand gar nicht so viele Worte, wie ich brauchte, um mich über die volle Distanz hinweg zu entschuldigen. Angekommen, gab ich ein sehr gutes Trinkgeld. Die praktische Konsequenz aus diesem Erlebnis aber war, dass ich seither den Namen meiner Straße nie mehr vernuschelt habe.

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