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Welt : „Ich war Saddams Sohn“

09.02.2003 00:00 UhrVon Annabel Wahba

Er sah Udai Hussein ähnlich wie ein Zwilling. Er lernte lispeln und mit dem Revolver spielen wie er. Jahrelang war er sein Doppelgänger. Dafür hasste sich Latif Yahia, bis er schließlich aus Bagdad floh. Aber seine Vergangenheit ist er bis heute nicht losgeworden.

Schon oft hat er versucht, Latif Yahia zu töten. Dieser Mensch hat ihm nur Unglück gebracht, egal, wo er hinging, nach Wien, London, Dublin. Er hat alles versucht, um ihn loszuwerden, hat immer wieder die Stadt gewechselt, hat sich den Bart abrasiert, den Namen geändert. Aber Latif Yahia war immer da. Irgendwann hat er beschlossen, ihn zu töten. Latif Yahia existiert bis heute, in ihm selbst.

Der Mann, von dem diese Geschichte handelt, hat zwei Leben hinter sich und führt jetzt ein drittes. Er wurde geboren als Latif Yahia, dann war er Udai Saddam Hussein, in seinem neuen Pass trägt er einen Namen, den er geheim halten will.

Er hat versucht, seine Vergangenheit abzustreifen wie eine alte Haut, ein neues Leben zu beginnen – und sucht noch immer nach sich selbst. Mittlerweile hat er begriffen, dass die Suche erst zu Ende sein wird, wenn er zurückkehrt in seine Heimatstadt Bagdad. Er wünscht sich nichts mehr, als endlich seine Mutter wiederzusehen, nach elf Jahren in der Fremde.

Latif, wie ihn seine Familie immer noch nennt, sitzt auf einer Couch im Palace-Hotel in München und sieht aus dem Fenster. Draußen schneit es, über Latifs Kopf hängt die Kopie eines Rokoko-Bildes in einem vergoldeten Rahmen, es zeigt eine Schäferszene, einen Edelmann, der eine Frau verführen will. Früher lebte Latif in einem echten Palast, in der Residenz von Saddams Sohn in Bagdad. In einem Haus mit Swimmingpool aus schwarzem Marmor, einem Koch, vier Zimmermädchen und einem Butler, der auf einen Fingerzeig hin das beste Essen im Irak servierte. Viereinhalb Jahre lang war Latif der Doppelgänger von Udai, ein Leibeigener, dessen Leben in den Händen seines Herrn lag und das er auch nach seiner Flucht nicht wieder zurückbekommen hat.

Der jähzornige Udai spielt bis heute eine wichtige Rolle im Hussein-Clan. Er leitet mehrere Zeitungen und befehligt die Fedajin, Saddams paramilitärische Einheit. Der Sohn des Diktators ist ein berüchtigter Vergewaltiger und Mörder. Vor den Augen der entsetzten Suzanne Mubarak, der Frau des ägyptischen Präsidenten, hat er einmal auf einer Party einem Vertrauten seines Vaters die Kehle aufgeschlitzt.

Seitdem er ein Teenager war, hat Udai Feinde. Sein alter Schulkamerad Latif, der ihm schon immer sehr ähnlich sah, wird als Double ausgewählt, um Udais Leben zu schützen. Saddam Hussein selbst hat mehrere Doubles, wo immer Attentate drohen, tritt der falsche Diktator auf. Einer der Doppelgänger soll 1984 bei einem Mordanschlag, der Saddam galt, ums Leben gekommen sein.

„Ich will, dass du mich lebst“

Latif kommt aus einer angesehenen Bagdader Familie, er studiert Jura und absolviert seinen Wehrdienst als Offizier in der irakischen Armee. Er plant, später mit seinem Vater zusammenzuarbeiten, der mit Marmor handelt. Udai lässt Latif 1987 während des Iran-Irak-Kriegs von der Front in den Präsidentenpalast holen. Zunächst habe er abgelehnt, Udais Double zu sein, sagt Latif. „Udai hat mich dann eine Woche lang in eine winzige, knallrot gestrichene Kammer ohne Fenster, Bett und Klo einsperren lassen.“ Schließlich willigt Latif ein. Udais erster Befehl: „Ich will, dass du mich lebst.“ Latif Yahia soll von dieser Welt verschwinden. Seine Familie hört monatelang nichts von ihm. Einmal darf er sie kurz besuchen, er sagt, er habe einen Geheimauftrag zu erfüllen, seine Eltern fragen nicht nach, obwohl ihnen Veränderungen an ihrem Sohn auffallen.

Die Ausbildung zum Doppelgänger, erzählt Latif, beginnt mit einer Untersuchung durch Saddams Ärzte. Sie stellen fest, dass Latif und Udai eine nahezu identische Gesichtsform haben, auch Haare, Nase und Körperbau sind fast vollkommen gleich. Udai wurde am 18. Juni 1964 geboren, Latif nur vier Tage früher, selbst ihre Stimmen klingen gleich. Es muss diese Ähnlichkeit mit einem Mörder sein, die Latif noch lange nach seiner Flucht verzweifeln lässt. Er hasst den Udai in sich, aber er hasst auch Latif, denn der hat ihn ja erst zu Udai gemacht. Später wird er deshalb versuchen, Latif, sein wahres Ich, auszulöschen.

Nach der Untersuchung können die Ärzte nur eine Unstimmigkeit feststellen: Udai lispelt leicht, weil er einen Überbiss hat. Latifs Zähne stehen gerade. Damit auch er lispelt, werden seine Zähne nach Udais Vorbild korrigiert. „Zum ersten Mal habe ich mich da fremd gefühlt, als ich in den Spiegel sah“, sagt Latif, „meine Oberlippe wölbte sich über den neuen Zähnen leicht nach außen.“

Danach beginnt die eigentliche Schulung, die aus ihm Saddams Sohn machen soll. Wochenlang muss Latif sich Videos von Udai ansehen, sich jede Einzelheit einprägen und nachspielen. Mit seinen Trainern übt er, wie Udai zu sitzen, wie Udai mit dem Revolver zu spielen, wie Udai die Ray-Ban-Brille aufzusetzen. Es bleibt ihm keine Zeit, Latif Yahia zu sein, selbst die Angestellten haben den Auftrag, ihn zu behandeln, als wäre er Saddams Sohn. „Ich spürte, wie ich Udai immer ähnlicher wurde.“ Er beginnt, das Leben in Udais Residenz zu genießen, den Luxus, das Geld, die Frauen. Immer mehr nimmt er auch Udais schlechte Gewohnheiten an. „Bitte“ und „Danke“ verschwinden aus seinem Wortschatz, er redet nur im Befehlston. Einmal schlägt er aus Wut einem Leibwächter ins Gesicht. Er kopiert Udai so perfekt, dass er selbst denkt: Latif Yahia gibt es nicht mehr. Er ist Udai ähnlicher als ein Zwilling, er ist sein Schatten, der nur durch Udai existiert. Nur wenige Male begegnet Latif Saddam Hussein, vom ersten Treffen erzählt er: „Saddam sah mich an und sagte: ,Allah hat mir zwei Söhne geschenkt, mit dir sind es drei’.“

Wenn Latif bei Sportveranstaltungen und Truppenbesuchen als Udai auftritt, riskiert er sein Leben. Doch bei seiner Offiziersausbildung hat er gelernt, seine Angst zu kontrollieren. Viel mehr macht ihm nach einigen Monaten zu schaffen, der Schatten eines Gewalttäters zu sein und diesen Menschen in der Öffentlichkeit zu verkörpern. Er lernt Udais perverse Seiten kennen: Wie er Frauen blutig schlägt, sie vor den Augen Latifs vergewaltigt und dann töten lässt. Hier, sagt Latif heute, sei für ihn die Grenze erreicht gewesen. Eines habe er nie von Saddams Sohn übernommen: den Sadismus. „Mein Gehirn war Udai, aber mein Herz hat sich irgendwann wieder an Latif erinnert.“ Udais Exzesse ekeln ihn an. „Ich habe niemals jemanden blutig geschlagen oder vergewaltigt“, sagt Latif. Weil er es mit Udai nicht mehr aushielt, sagt Latif, habe er sich die Pulsadern aufgeschnitten.

Noch während des Golfkriegs 1991 ist Latif das Double von Udai. Als bekannt wird, dass Udai an Plünderungen in Kuwait beteiligt war und Millionen verdiente mit dem Verkauf gestohlener Luxuskarossen aus dem Emirat, zwingt man Latif, im Fernsehen aufzutreten und zu sagen, er, das Double habe geplündert, nicht Udai. Das ist die Enthüllung: Jeder weiß nun, dass Udai einen Doppelgänger hat, der Latif Yahia heißt. Damit ist er für Udai wertlos. Wochenlang hält man Latif gefangen, foltert ihn, irgendwann, erzählt Latif, wirft man ihn schwer verletzt aus einem fahrenden Auto auf die Straße. Er kehrt zurück zu seinen Eltern und flieht später über den Nordirak nach Österreich.

Neulich hat sich Latif nach langer Zeit wieder ein Video eines Interviews angesehen, das er 1992 nach seiner Flucht gegeben hat. „Ich kann da irgendwann nicht mehr auf den Bildschirm sehen“, sagt Latif. „Was ich sehe, bin nicht ich, das ist Udai. Dieser Mann in dem Video spricht wie Udai, er hat sein Gesicht und seine Gewohnheiten.“ Als er nach Wien kam, lebte Latif zunächst so weiter, wie er es von Udai gewohnt war. Er kaufte einen Mercedes mit dem Geld, das sein Vater ihm geschickt hatte, und nahm stets eine Waffe im Auto mit.

Latif holt Fotos aus seinem Kalender heraus, auf denen er als Udai zu sehen ist. Auf einem trägt er dessen schwarze Militäruniform und die Ray-Ban- Brille und sitzt betont lässig in einem Sessel. Als Latif auf die Fotos blickt, muss er selbst schmunzeln, weil diese Pose so übertrieben aussieht. „Diktatorische Arroganz“, nennt Latif sie.

Wenn man Latif Yahia heute trifft, ertappt man sich dabei, wie man als Erstes auf die Zähne blickt und lauscht, ob Latif noch Udais Sprachfehler hat. Doch jedes „s“ klingt deutlich. „Als ich nach Wien geflohen war, ließ ich meine Zähne wieder ändern.“ Er wollte auf keinen Fall mehr genauso aussehen wie Udai. Mit seiner Flucht aus dem Irak begann für Latif der Kampf gegen den Udai in sich. Jahrelang war er in psychologischer Behandlung und hoffte, den alten Latif wiederzufinden, aber er hat es nicht geschafft.

Elf Jahre sind vergangen seit Latifs Flucht. Aber noch immer kann man die Ähnlichkeit mit Udai erkennen: Latif hat die gleiche Nase, die gleichen dichten, halbmondförmigen Augenbrauen. Seine Erscheinung ist makellos: tiefblauer Anzug, rotes Einstecktuch. An der linken Hand trägt er eine mit funkelnden Steinen besetzte Uhr. „Diamanten“, antwortet Latif auf Nachfrage, „ich habe die Uhr vor drei Jahren gekauft.“ Ein Statussymbol, wie man es in arabischen Ländern gerne zur Schau stellt, wenn man es sich leisten kann. Latif scheint auch in seinem dritten Leben einen luxuriösen Stil zu lieben. Es gibt Leute wie den irakischen Oppositionsführer Ahmed Chalabi, die behaupten, Latif Yahia arbeite noch heute für den Hussein-Clan. Chalabi, der in Jordanien Bankier war und dort in Abwesenheit wegen betrügerischen Bankrotts zu 22 Jahren Haft verurteilt wurde, wird von Geheimdiensten in den USA unterstützt. Die irakische Botschaft in Berlin wiederum sagt über Latif Yahia, er sei ein Agent der USA.

Die Geschichte, die Latif Yahia über sich erzählt, ist die eines Opfers. Sie lässt sich nicht in allen Details nachprüfen. Arabische Journalisten und Irak-Experten halten sie prinzipiell für wahr. Aber irgendwie glaubt man doch, auch Ungereimtheiten darin zu erkennen. Warum hat Udai ausgerechnet diesen Mann mit dem Leben davonkommen lassen? Warum hat er ihm die Chance geben, der ganzen Welt von Udais Verbrechen zu erzählen? Latif erklärt das so: Udai habe ihn bei der Folter so gedemütigt und zugerichtet, dass er wohl glauben musste, dieses halbtote Stück Fleisch könne ihm nicht mehr gefährlich werden. Vielleicht war es auch so, dass Udai sein Spiegelbild nicht auslöschen wollte, denn damit hätte er einen Teil von sich selbst getötet.

Nach Latifs Flucht schrieb der österreichische Journalist Karl Wendl die Lebensgeschichte des Doubles auf. Wendl, der oft im Irak war und dort auch einmal Saddam Hussein interviewte, recherchierte die Fakten nach, so gut das eben ging. Vor acht Jahren erschien „Ich war Saddams Sohn“, es wurde ins Englische übersetzt und war in den USA erfolgreich. In dem Buch waren auch Bilder von Latifs Enttarnung im irakischen Fernsehen zu sehen. Später geriet es in Vergessenheit und wurde nicht wieder aufgelegt. Jetzt, da ein neuer Krieg gegen den Irak immer wahrscheinlicher wird, ist diese Geschichte plötzlich wieder interessant. Es dauert Wochen, bis das Gespräch mit Latif Yahia, der heute in England lebt, zustande kommt, denn die Autoren führen Verhandlungen über eine Neuauflage des Buches. Am 1.März wird es bei Goldmann in der alten Fassung erscheinen. Um alle Presseanfragen zu bündeln, holt man Latif Yahia nach Deutschland. Und so sitzt er jetzt in München, zwischen Friedensengel und Prinzregententheater, und erzählt seine Geschichte. Sie passt nicht zu diesem Hotelzimmer. Und wenn man nach draußen auf die verschneiten Straßen blickt, klingen die Worte noch nach, verstummen aber bald, weil sie so gar nichts mit dieser Stadt zu tun haben.

22 Tage auf der Straße

Er hat den alten Latif nicht wiedergefunden. Deshalb beschloss er, ein neues, ein drittes Leben, zu beginnen. Er ging nach Irland und gab sich einen anderen Namen. Aber er stürzte so weit ab, dass er eines Tages auf der Straße landete. Das Geld, das ihm sein Vater geschickt hatte und mit dem er sich als Diamantenhändler selbstständig machte, verlor er, zum Teil an der Börse, sagt Latif. „22 Tage schlief ich in den Straßen von Dublin. Niemand hat mir geholfen.“ Latif hat sich da selbst wieder rausgezogen, sein Leben hat sich verändert, aber die Verbitterung blieb.

Seit zwei Jahren ist er wieder verheiratet. Mit seiner zweiten Frau, die das Kapital dafür stellte, gründete er eine Firma als Privatdetektiv, „ich benutze, was ich im Irak gelernt habe“. Erst Diamantenhändler, dann obdachlos und heute Privatdetektiv – dieser Mann ist eine schillernde Figur, die man nie richtig zu fassen bekommt. Es bleibt das Gefühl, dass Latif nicht alles erzählt.

Latif und seine Frau haben eine Tochter, sie ist 13 Monate alt. Aus seinem Geldbeutel zieht er ein Foto von der Kleinen, sie sieht aus, als quietsche sie vor Freude, auf ihrer Haut kleben lila Federn, weich und pludrig wie bei einem frisch geschlüpften Küken. „Ich liebe meine Frau und meine Tochter, ich küsse den Boden, auf dem sie gehen“, sagt er wie ein echter Orientale, „aber ich bin müde. Ich will meine Mutter und meine fünf Geschwister sehen.“

Nachdem Latif geflohen war aus dem Irak, wurde seine Familie verhaftet, um ihn zur Rückkehr zu zwingen. Udai muss doch noch bereut haben, dass er sein Double nicht gleich in Bagdad ermorden ließ. Latif kannte Befehlsstrukturen und Geheimnisse des Hussein-Clans. Dieser Mensch sollte nach dem Willen des Clans für immer schweigen. Stattdessen gab Latif Interviews und schrieb ein Buch, weil er sagt: „Wenn sich jeder einschüchtern lässt von Saddam, erfährt niemand etwas über dessen brutale Menschenverachtung. Aber natürlich muss man dafür einen Preis bezahlen.“

Viermal, erzählt Latif, habe der irakische Geheimdienst versucht, ihn nach seiner Flucht zu ermorden. Zweimal in Wien, dann floh Latif nach London. Dort schossen fünf Männer auf ihn, als er im Auto saß. Latif wurde nicht verletzt, aber sein Leibwächter wurde angeschossen. Er floh nach Oslo, auch dort ein Attentat. Heute, sagt Latif, habe er keine Bodyguards mehr. „Wenn mich jemand töten will, sage ich nur: Vielen Dank. Ich mag mein Leben nicht mehr. Über elf Jahre bin ich jetzt aus dem Irak weg. Ich bin müde.“

Latifs Vater wurde 1995 ermordet. Nachts um drei kam die Geheimpolizei in sein Haus und nahm ihn mit. „Zwei Stunden später war er tot“, sagt Latif, „ein Arzt, der den Leichnam untersuchte, fand Gift in seinem Magen.“ Die Familie schaffte es danach sogar, nach Jordanien auszureisen, erzählt Latif. Dort habe man sie jedoch verhaftet und nach Syrien abgeschoben. Als sie die Drohungen des irakischen Geheimdienstes erreichten, man werde einen Onkel töten, wenn die Familie nicht zurückkehre, gab die Mutter nach. Während all dieser Zeit hatte Latif verzweifelt versucht, Hilfe für seine Familie zu bekommen. „Ich habe an die damalige UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson geschrieben und an Kofi Annan. Aber es half alles nichts.“

Al Qaida in Bagdad

Man sollte glauben, dass Latif, der den Hussein-Clan so hasst, nichts mehr wünscht als einen Regimewechsel im Irak. Aber Bushs Kriegspläne machen in wütend: „Ich will nicht, dass irgendjemand in mein Land einmarschiert“, sagt er. Obwohl Latif nicht bezweifelt, dass Saddam Chemiewaffen besitzt und sogar sagt, er wisse, dass in Bagdad ein paar Al-Qaida-Kämpfer mit Udais Fedajin-Truppe für Selbstmordanschläge trainieren, akzeptiert er das nicht als Rechtfertigung für einen Angriff. „Es ist doch so: Solange ein Land mit den USA zusammenarbeitet, passiert ihm nichts. Was ist mit Pakistan und seinen Atomwaffen?“ Und zu glauben, der Irak könnte nach einem von außen erzwungenen Machtwechsel die erste arabische Demokratie werden, sei völlig naiv. „Ein Machtwechsel kann nur von einem Iraker innerhalb des Landes vollbracht werden“, sagt Latif.

Dieser Mann hat jeden Glauben an die Rettung seines Landes und seiner Familie verloren. Udai scheint erreicht zu haben, was er wollte: Den Menschen Latif Yahia hat er ausgelöscht. Aber eine kleine Genugtuung hat auch Latif einmal erfahren. Den ältesten Sohn des Diktators trafen vor sechs Jahren 16 Schüsse aus einer Kalaschnikow, die meisten in den Unterleib, seither ist Udai gehbehindert. Latif gab damals dem arabischen Fernsehsender MBC in London ein Interview. Später mietete er eine Hotelsuite und lud ein paar Freunde ein. „Ich habe noch nie so viel getrunken wie in dieser Nacht“, sagt der Mann, der einmal ein gläubiger Muslim war. Alkohol hat er erst durch Udai kennengelernt. Und die Nacht in der Hotelsuite war eine der wenigen Gelegenheiten, bei der er mit voller Freude das tat, was Udai ihn gelehrt hatte.

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