Welt : Ich wollt, ich wär ein Star

Boygroup oder Girlband? 3,7 Millionen verfolgten das Finale der „Popstars“-Show. Am Schluss siegt „Overground“

Joachim Huber

Erst platzte der Traum, dann kam der Trotz: „Die ,Preluders’ waren besser, und sie werden immer die Besseren sein.“ Die Elfjährige hat beim Finale von „Popstars – Das Duell“ für den Erfolg der Girlband richtiggehend mitgezittert, am Tele-Voting teilgenommen – und dann hat die Boyband „Overground“ am Montagabend ganz, ganz knapp gewonnen, mit 51,8 Prozent der Stimmen. Damit sind Akay (20), Ken (17), Marc (16) und Meiko (26) die neuen „Popstars“. Seit dem 11. August lief beim Fernsehsender Pro 7 die dritte Staffel des Wettbewerbs, die Vorgänger hatte RTL 2 ausgerichtet. Die beiden siegreichen Bands, zunächst „No Angels“ (Anfang 2000), dann „Bro’Sis“ (Herbst 2001), haben zusammen über sieben Millionen Tonträger verkauft, aus dem „Popstars“-Katapult heraus haben sie sich zu eigenen Pop-Marken entwickelt. Nicht anders soll der Weg von „Overground“ und „Preluders“ verlaufen, wobei die siegreiche Boygroup stärker gepusht werden wird. Am Freitag wird die Single „Schick mir nen Engel“ in den Markt gedrückt, am 17. November folgt die erste CD. Nicht anders bei den „Preluders“: Single, CD und Tournee und, und, und …

„Die Jungs sind richtige Heartbreaker“, sagt Jury-Mitglied und „Preluders“-Produzent Uwe Fahrenkrog-Petersen, „jeder von ihnen spricht einen anderen Typ an. Ihnen werden die Frauen später zu Füßen liegen.“ Jetzt sind erst einmal die Mädchen dran, die beim Finale im Kölner NMC-Fernsehstudio mit Teddys und auf Tafeln ihre Liebe bekundeten.

Traditionell wird jeder „Popstars“-Wettbewerb von Kritik begleitet – hier würden Retorten-Bands gezüchtet, das Ausscheidungsverfahren von schnöden Vermarktungs- und Ausbeutungsmechanismen begleitet. Klar, hier soll Geld verdient werden, siehe die Fast-Food-Kette McDonald’s. Nur in deren Filialen konnten die ersten beiden Singles von „Overground“ („I wanna sex you up“) und „Preluders“ („Losing my Religion“) gekauft werden, das trieb dem Burger-Brater Kunden zu, zudem bekam McDonald’s von den 1,99 Euros je verkaufter CD seinen Teil ab. Bei mehr als 1,2 Millionen Stück ein schöner Schnitt.

Die meist sehr jungen Fans können mit der Kritik nichts anfangen. Sie begeistern sich, sie nehmen intensiven Anteil, und sie nehmen Partei. Erst einmal wird die Zuneigung nach Boy- oder Girlgroup geschieden, dann nach den Identifikations-Figuren in der jeweiligen Gruppe gesucht. Da kommen so starke Emotionen ins Spiel, dass Tränen fließen, wenn Fabrizio „Overground“ wieder verlassen muss, dass Freudentränen fließen, wenn die Jury aus Fahrenkrog-Petersen, der Rapperin Sabrina Setlur und dem Choreografen Detlef D! Soost Fabrizio eine Solo-Karriere eröffnen. Wenn auch die Fans und die Teilnehmer an der Casting-Konkurrenz über manche Jury-Entscheidung murren, die beiden Grundprinzipien werden akzeptiert: Auswahl und Leistung.

Gerade Detlef D! Soost will nicht als Kuschel-Pädagoge reüssieren. Im Tagesspiegel-Interview sagte er: „Wir geben uns Mühe, die Leute über ihr Können zu unterrichten. Wir sagen: ,Hey, dieses Musikgeschäft ist nicht Dein Business!’ Die Jugendlichen akzeptieren das erstaunlicherweise viel mehr, als wenn man rumeiert. Dann können sich sie sich in eine andere Richtung orientieren „und müssen nicht fünf Jahre den Traum von den ,No Angels’ leben, obwohl der nie wahr wird.“

Und dann, so sieht es jedenfalls Pro-7-Sprecher Nico Wirtz, könnten die durchgefallenen Bewerber und die Zuschauer bei der Casting-Show miterleben, wie sehr ein Traum auch harte, harte Arbeit sei: „Glaube an dich, an dein Können und häng’ dich rein.“

Oder wie es Detlef D! Soost, so eindeutig wie autoritär formuliert: „Lieber werde ich von den Leuten, die ich coache, für meine Härte gehasst, als dass ich sie nicht an ihre Leistungsgrenze bringen kann, und sie nicht alles geben.“ Dass jemand in drei Monaten Popstar werden kann, daran glaubt auch Soost nicht, aber auf dem Weg dorthin mit allem Einsatz vorankommen, das fordert er mit aller Macht.

Detlef D! Soost, die Produzenten Uwe Fahrenkrog-Petersen (Nena) und Triple M werden die Boygroup und die Girlgroup weiterhin begleiten, nicht zuletzt als Herausforderung, ob sich das Engagement und die Investitionen auch gelohnt haben. Der Fernsehsender Pro7 arbeitet schon an „Popstars 4“.

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