Welt : „Ich würde es immer wieder tun“

Nach Feierabend den Doktor zu bauen, ist ein Knochenjob. Zwei, die es geschafft haben, berichten über ihren Weg zum Ziel

Christine Demmer

Tagsüber für das Einkommen zu arbeiten und abends für das Weiterkommen – das ist selbst für einen Single keine einfache Sache. Erst recht nicht für einen Familienvater, der seine knappe Freizeit zwischen Dreikäsehochs und Dissertation aufteilen muss. Hartmut Horchler (45) aus dem Rheingau hat seine Doktorarbeit trotzdem in beachtlichen 18 Monaten geschafft – nebenberuflich.

Der Ökonom besitzt das, was Soziologen eine hohe Aufstiegsmobilität nennen: Ausbildung zum Werkzeugmacher, Meisterprüfung, Hochschulreife, Ökonomiestudium, mit 38 Jahren dann die Promotion zum Dr. rer. pol. über das Thema IT-Outsourcing. Daneben fast immer ein fester Job, um die Familienbrötchen zu sichern.

Wie geht das? „Die Königskompetenz ist Kommunikation und Networking“, sagt Horchler und meint: miteinander reden, im Gespräch bleiben, bei den Professoren, bei den Kollegen, bei den Unternehmen und in firmenübergreifenden Arbeitskreisen. Das geht zu Lasten der Freizeit, ein Stück weit auch zu Lasten der Familie, aber darüber hat sich das Ehepaar Horchler schon vor Jahren verständigt. „Ich würde es immer wieder tun, denn man kommt nur durch intellektuelle Qualifikation weiter“, meint der Wissenschaftler, der tagsüber als Principal Consultant bei der T-Systems International GmbH arbeitet. Vor vier Jahren schlug Horchler das nächste Blatt auf und begann mit seiner Habilitationsschrift. Wie gehabt – abends und am Wochenende arbeitet Papi am PC. Für eine Konzern-Karriere tut er das nicht: Läuft alles wie geplant, wird er nächstes Jahr Privatdozent und kann sich um einen Lehrstuhl an der Universität bewerben. Nach fast 20 Jahren hat er dann sein Ziel erreicht.

Für die harte Ochsentour hat sich auch die 28-jährige Birte Rothkopf, Consultant bei der Kronberger Unternehmensberatung Accenture, entschieden. Sie promovierte berufsbegleitend an der RWTH Aachen und darf ihren Doktorhut seit vergangenem März tragen. Ausschlaggebend für ihren erfolgreichen Abschluss, sagt sie rückblickend, waren drei Faktoren: „Das persönliche Interesse an meinem Thema, ein Kreis von Personen, mit dem ich mich regelmäßig über das Thema austauschen konnte sowie ein soziales Umfeld, welches das Promotionsvorhaben unterstützt hat.“ Neben dem Wohlwollen, das ihr von vielen Seiten entgegengebracht wurde, sei Geduld eine wichtige Voraussetzung, genauer: „Geduld mit sich selbst zu haben“, ruft sie sich in Erinnerung. Ihr Credo: „Wer sich ständig zu ambitionierte Zeitrahmen setzt, droht daran zu scheitern.“

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