Welt : Idee des Zeitsprungs ist bereits mehr als 200 Jahre alt

Robert Ide

Am Sonntag werden die Uhren umgestellt - In Deutschland seit 1980 regelmäßigRobert Ide

Berlin. Am Sonntag ist es wieder soweit: In Deutschland und den Staaten der Europäischen Union beginnt die Sommerzeit. Der Zeitsprung erfolgt wie immer zu nächtlicher Stunde. Um 2 Uhr Mittleuropäischer Zeit (MEZ) springen die Zeiger auf 3 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Diese gilt in diesem Jahr bis zum 29. Oktober.

Während jedermann seine Uhr oder seinen Wecker per Hand umstellen muss, geht das bei den öffentlichen Uhren automatisch. Taktgeber ist die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über deren Langwellensender "DCF 77" werden auch die 120 000 Funkuhren der Bahn umgestellt. Sowohl die Anzeiger auf den Bahnhöfen, als auch die Steuerungssysteme in den Zügen werden so angepasst. Für die 50 Züge, die während der Umstellung unterwegs sind, muss allerdings eine weniger technische Lösung gefunden werden. Sie sollen trotz der fehlenden Stunde pünktlich ankommen. "Wir verkürzen einfach die Standzeiten der Nachtzüge", sagt Bahnsprecherin Claudia Wachowitz.

Die Idee einer Sommerzeit geht auf den US-Politiker und Tüftler Benjamin Franklin zurück. Er schlug sie im Jahre 1783 vor, um eine Stunde länger auf künstliches Licht verzichten zu können. In Deutschland wurden Zeitumstellungen nur in Notsituationen vorgenommen, um Energie zu sparen. Während der Weltkriege und in den Aufbaujahren nach 1945 wurden die Tageszeiten künstlich verändert. Im Jahr 1947 galt sogar die so genannte "Hochsommerzeit" - mit zwei Stunden Unterschied zur Normalzeit. Die Ölkrise in den siebziger Jahren machte die Idee der Zeitumstellung erneut populär. Während Frankreich und Italien schnell zu diesem Mittel griffen, dauerte es in der Bundesrepublik bis 1980. Erst als die DDR sich am kollektiven Zeitsprung beteiligte, verabschiedete der Bundestag das "Gesetz über die Zeitbestimmung", das der Sommerzeit zur Regelmäßigkeit verhalf.

Inzwischen wird die Zeitumstellung in Umfragen von einer Mehrheit der Deutschen befürwortet. Die meisten halten es für einen Gewinn an Lebensqualität, wenn es abends länger hell ist. Die "innere Uhr" der Menschen gerät jedoch aus dem Takt. Vor allem der biologische Schlaf-Wach-Rhythmus wird durcheinander gewirbelt. Studien zufolge ereignen sich am Montagmorgen nach der Zeitumstellung acht Prozent mehr Verkehrsunfälle als an einem gewöhnlichen Montag.

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