Welt : Im Dienst getötet: Gewaltverbrecher erschießt Erlanger Polizisten

Bei einem Schusswechsel nach einer Routinekontrolle im Straßenverkehr ist erneut ein Polizist getötet worden. Ein Autofahrer hatte am frühen Donnerstagmorgen nach einer kurzen Verfolgungsjagd im bayerischen Bubenreuth bei Erlangen das Feuer auf zwei Beamte eröffnet. Ein 31 Jahre alter Polizist wurde tödlich getroffen, sein gleichaltriger Kollege schwer verletzt, berichtete die Polizei. Der Täter selbst wurde lebensgefährlich getroffen und lag am Vormittag nach einer Notoperation auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Der erschossene Polizist ist bereits der achte Beamte, der in diesem Jahr in Ausübung seiner Pflicht getötet wurde. Beide Beamte waren unverheiratet und hatten keine Kinder.

Bei dem mutmaßlichen Polizistenmörder handelt es sich nach Polizeiangaben um einen gesuchten Schwerverbrecher. Er stamme aus dem Raum Bamberg und sei vor rund drei Monaten aus einem niederbayerischen Bezirkskrankenhaus ausgebrochen. Der 40 Jahre alte Täter sei 1998 wegen Rauschgifthandels zu sechs Jahren Haft verurteilt und in die geschlossene Anstalt in Mainkofen (Landkreis Deggendorf) eingeliefert worden, berichtete die Polizei. Der Mann war auch wegen Schusswaffengebrauchs, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls verurteilt und galt als sehr gewaltbereit. Seit seiner Flucht lebte er vermutlich im Raum Nürnberg.

Trauerflor für alle Streifenwagen

Nach Polizeiangaben hatten die beiden Streifenpolizisten einen jüdischen Friedhof geschützt, als ihnen der Wagen gegen 1 Uhr 30 in der Gemeinde Bubenreuth aufgefallen sei. Bei einer Routinekontrolle wollten sie den Fahrer überprüfen. Der Mann gab aber Gas und versuchte zu fliehen. Nach rund einem Kilometer hielt er in einer Nebenstraße an und schoss mit einer Pistole auf die beiden Verfolger. Die Polizisten feuerten zurück. Ein Beamter wurde bei dem Schusswechsel in den Oberkörper getroffen und starb im Krankenhaus. Sein Kollege erlitt einen Schulterdurchschuss und war nach der Operation am Morgen auf dem Wege der Genesung. Der Täter selbst wurde in den Bauch getroffen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat angesichts der neuerlichen Tötung eines Polizisten "amerikanische Verhältnisse" bei Verkehrskontrollen gefordert. Dies schließe ein, dass Beamte mit gezogener Waffe an Fahrzeuge herantreten. "Der Zeitpunkt ist gekommen, wo die Polizei nicht mehr anders kann, als voller Misstrauen Routineaufgaben - wie Verkehrskontrollen - wahrzunehmen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Gerhard Vogler in Berlin. Erst im Juni waren bei Schießereien in der Region Dortmund sowie im hessischen Niederwalluf vier Beamte getötet worden.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) ordnete Trauerflor für alle Streifenwagen im Freistaat an. Er zeigte sich betroffen und erschüttert über die Tat: "Der tragische Fall beweist, dass Täter zunehmend skrupellos von der Schusswaffe Gebrauch machen", sagte er.

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