Im Gewaltrausch : Jenaer Neonazi-Trio plante Propagandaoffensive

13 Jahre agierte das Jenaer Neonazi-Trio im Untergrund. Hinterließ weder Bekennerschreiben, noch brüstete es sich anonym im Internet oder auf andere Weise für seine Taten. Warum nicht?

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Heiße Spur. In diesem abgebrannten Wohnhaus in Zwickau fand die Polizei die Dienstwaffe ihrer in Heilbronn ermordeten Kollegin und die Waffe, mit der zwischen 2000 und 2006 die sogenannten Döner-Morde verübt worden waren.
Heiße Spur. In diesem abgebrannten Wohnhaus in Zwickau fand die Polizei die Dienstwaffe ihrer in Heilbronn ermordeten Kollegin und...Foto: ZB

Berlin - Selbst Experten mit vielen Jahren Erfahrung sind in diesen Tagen sprachlos. „Ich versteh’s einfach nicht“, sagt einer, der sich schon lange mit extremistischer Gewalt befasst. Da ist nicht nur die seit Tagen wachsende Dimension der Taten, die dem Jenaer Neonazi-Trio zugeschrieben werden. Auch die Professionalität, mit der Uwe M. (38), Uwe B. (34) und Beate Z. (36) agiert haben, macht ratlos – aber ebenso die vielen Widersprüche im „Modus operandi“, wie Sicherheitsbehörden die Handlungsweise von Tätern klassifizieren. Das Trio ist offenbar verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf acht türkischstämmige Männer und einen Griechen, vermutlich wurden diese sogenannten Döner-Morde aus rassistischem Hass begangen. Das ist Terror. Doch die Neonazis, wenn sie die Täter waren, haben untypisch für Terroristen, weder Bekennerschreiben verschickt noch sich anonym im Internet gebrüstet oder auf andere Weise, und sei es durch Hakenkreuz-Schmierereien am Tatort, die Morde „erklärt“. Warum nicht?

„Wenn ich einen nationalsozialistischen Rachefeldzug führen will, erfinde ich einen martialischen Gruppennamen und rufe laut: ’Wir waren es!’“, sagt ein Sicherheitsexperte. Doch das Trio meldete sich nicht. Es gibt allerdings Indizien, die nahelegen, dass Uwe M., Uwe B. und Beate Z. eine Propagandaoffensive geplant haben – nach mehr als 13 Jahren konspirativer Stille. Im Brandschutt des Hauses im sächsischen Zwickau, in dem die drei gelebt hatten und das Beate Z. am 4. November anzündete, hat die Polizei DVDs und Briefumschläge entdeckt, auf denen schon die Adressen von Nachrichtenagenturen und islamischen Einrichtungen standen. Auf den DVDs sind Bilder der Opfer der Döner-Morde zu sehen. Die Fotos zeigen die getöteten Türken, Deutschtürken und den Griechen, kurz nach der Tat. Die Mörder selbst müssen sie aufgenommen haben.

Die DVDs waren als Propagandafilm für eine Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“ gedacht. Eine Formation dieses Namens gab es bislang nicht. Wollte das Trio nach den neun Döner-Morden, nach der Tötung der Polizistin in Heilbronn und nach den 14 Banküberfällen nun doch aus dem Dunkel des ewigen Verschwundenseins auftauchen – mit einer brachialen politischen Botschaft? Aber warum? Und warum jetzt?

Waffenfunde.
Waffenfunde.Fotos: dapd

Statt einer Terrorstrategie, die sich mit bekannten Mustern wie dem Auftreten der Roten Armee Fraktion vergleichen ließe, ist bislang nur ein Gewaltrausch zu erkennen, exzessiv bis hin zur Mordlust. Das Trio, so scheint es, hat sich als Outlaws inszeniert, zunehmend auch als psychopathische Gangster. Nach dem Vorbild von Figuren aus dem amerikanischen Action-Kino. Ein Mix aus Bonnie and Clyde, Natural Born Killers und dem grobschlächtigen Gehabe mancher Rapper. Es gibt dazu ein Bild von Uwe M. und Uwe B., das sie blitzartig charakterisiert.

Lesen Sie auf Seite 2, wie brutal die Täter vorgingen und welche Verbrechen ihnen noch zugerechnet werden könnten.

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