Welt : Im Kampf gegen die Uhr

Die Bahn will pünktlicher werden / Preise im Nahverkehr steigen

Rolf Obertreis[Frankfurt]

Die Deutsche Bahn will schon vor dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember die Pünktlichkeit im Fernverkehr wieder deutlich verbessern. „Wir liegen derzeit leider nur bei knapp unter 80 Prozent. Wir müssen wieder auf 85 Prozent und damit den Wert der letzten Jahre kommen", sagte Fahrplan-Chef Ingulf Leuschel. Als Ursachen für die hohe Verspätungsquote von ICE- und IC-Zügen nennt er die derzeit vielen Baustellen und „starke externe Einflüsse“. Dazu zählt die Bahn neben wetterbedingten Störungen vor allem die nach wie vor hohe Zahl von Selbsttötungen an Bahnstrecken.

Mit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember sind in diesem Jahr keine großen Veränderungen verbunden. Es werden jedoch weitere Städte an das ICE-Netz angeschlossen, auf anderen Strecken verkehren die Hochgeschwindigkeitszüge öfter als bisher. Insgesamt weitet die Bahn ihr Angebot um zwei Millionen auf insgesamt 137 Millionen Zugkilometer aus. „Wir befinden uns keineswegs auf dem Rückzug, trotz der verschärften Konkurrenz auch von Billigfliegern“, sagt Leuschel. Generell werden die Ost-West-Verbindungen verbessert: Zwischen Berlin und Frankfurt wird es einen neuen späten ICE geben, der täglich um kurz nach Mitternacht in der Hauptstadt eintrifft. Umgekehrt verlässt ein ICE um 22 Uhr Berlin Richtung Köln, wo er um drei Uhr morgens eintrifft. Wieder aufgenommen wird der Verkehr zwischen Franken und Sachsen, der nach dem Hochwasser im vergangenen Jahr unterbrochen war. An Samstagen wird die Bahn aufgrund geringer Auslastung allerdings auch einige ICEs streichen.

Als neue ICE-Linie wird die Strecke Essen- Nürnberg über Köln und Frankfurt (Main) eingerichtet, wodurch beide Städte in einer Fahrzeit von dreieinviertel Stunden verbunden werden. Zwischen Frankfurt (Main) und Dresden verkehrt der ICE künftig im Stundentakt – doppelt so häufig wie bisher.

Eine erhebliche Verbesserung wird es ab 14. Dezember im Rhein-Neckar-Raum geben: Dort nimmt die S-Bahn mit vier Linien zwischen Kaiserslautern, Eberbach, Mosbach, Speyer, Karlsruhe und Bruchsal ihren Betrieb auf. Auf 240 Kilometern werden 65 Bahnhöfe und Haltepunkte angefahren. Rund 450 Millionen Euro hat die Bahn dort investiert.

Während die Bahn die Fahrpreise im Nahverkehr im Dezember um 4,1 Prozent anhebt, bleibt im Fernverkehr vorerst alles beim Alten. „Es sind derzeit keine Preismaßnahmen vorgesehen“, sagte Bahnsprecher Gunnar Meyer bei der Vorstellung des neuen Fahrplans. Das neue Angebot „Surf and Rail“ mit Ticket-Preisen von 50 Euro für die Hin- und Rückfahrt auf bestimmten Strecken ist nach Angaben Meyers „sehr gut angelaufen“. Allein an den ersten beiden Tagen seien 2000 Fahrkarten verkauft worden. Vor allem auf den Strecken Köln-Berlin, Stuttgart- Hamburg und Hamburg-München sei die Nachfrage gut.

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