Welt : Im Nahkampf

Zum Wohle des Geschäfts bekriegen sich Donald Trump und die Überhausfrau Martha Stewart

Matthias B. Krause[New York]

Eindeutig ein Bild aus alten Tagen: Martha Stewart, die Hüterin des guten Geschmacks in Amerika, richtet Donald-mit-dem-unmöglichen-Haarschnitt Trump die rote Krawatte, ehe beide gemeinsam vor die Kameras treten. So kannte man die amerikanische Überhausfrau und den mediengeilen Immobilienmagnaten: ein Herz und eine Seele. Aber wenn sie heute noch einmal die Gelegenheit hätte, würde Stewart wahrscheinlich, statt gutmütterliche Nachhilfe in Stilfragen zu geben, die Gelegenheit nutzen, den Knoten einmal richtig fest zuzuziehen: Zwischen den beiden wohl eitelsten New Yorker Promis ist eine handfeste Fehde ausgebrochen, sehr zur Erbauung der übrigen Gesellschaft natürlich.

Es begann alles recht harmlos mit einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Newsweek“. Das Blatt beschrieb den Fall und den Aufstieg der „Domestic Diva“ Stewart nach ihrer Gefängnisstrafe wegen verbotener Insidergeschäfte an der Wall Street. Mittlerweile wieder fest im Sattel, musste sie allerdings auch schon wieder Rückschläge verkraften wie zum Beispiel den Flop ihrer eigenen Version der Fernsehshow „The Apprentice“ (Der Bewerber). Ganz nach dem erfolgreichen Vorbild ihres Freundes Donald Trump wollte sie die Zuschauer Woche für Woche damit fesseln, dass sie eine Hand voll Bewerber für einen Managerposten in ihrem Geschmacks-Imperium vor laufenden Kameras aussiebt. Doch die Serie geriet zu einem müden Abklatsch des Originals und zog im Durchschnitt gerade 6,6 Millionen Zuschauer an. Trump erreichte selbst bei seiner vierten Auflage noch mehr als zehn Millionen. Nach der ersten Staffel nahm NBC Frau Stewart prompt aus dem Progamm.

Soweit die Vorgeschichte. Jüngst erklärte Stewart ihren Misserfolg so: Das Problem sei die Konkurrenz im eigenen Haus gewesen, weil Trump entgegen früherer Absprachen nicht auf seine eigene Sendung verzichtet hatte. „Ich denke, das war unfair für mich und unfair für ihn“, sagte sie „Newsweek“. Ursprünglich habe sie Trump in der ersten Folge ihrer Staffel „entlassen“ sollen. Das alles sei erstunken und erlogen, feuerte der Angesprochene wenige Tage später in einem nicht ganz so persönlichen Brief an seine ehemalige Freundin zurück und mahnte: „Es ist an der Zeit, dass du Verantwortung für dein Versagen übernimmst.“

Doch damit nicht genug: „The Donald“ holte gleich mit dem ganz großen Hammer aus. „Deine Vorstellung war fürchterlich. Der Sendung fehlte die richtige Stimmung, das Temperament und alles andere, was eine Show für einen Erfolg braucht“, schrieb Trump, „ich wusste, dass daraus nichts werden würde, als ich sie zum ersten Mal sah – und die Quoten haben mir Recht gegeben.“ Dann machte er sich über Stewarts Einfall lustig, jedem gescheiterten Bewerber einen persönlichen Abschiedsbrief zu schreiben, anstatt ihm – wie er es tut – einfach den Zeigefinger entgegenzustrecken und zu rufen: „You are fired.“

Selbst vor einem Seitenhieb auf Stewarts Tochter und deren „Ein-Wort-Auftritte“ in der Show der Mutter machte der zum TV-Fachmann gewandelte Mogul nicht Halt.

Stewart, die Trump in der „Newsweek“ noch als einen ihrer engsten Freunde bezeichnet hatte, rieb sich verwundert die Augen: „Der Brief ist so voller Boshaftigkeiten, dass ich fast nicht glauben kann, dass ihn mein langjähriger Freund Donald geschrieben haben soll.“ Hat er aber durchaus. Und anders als bei solchen Promi-Fehden gemeinhin üblich, nahm er kein Wort zurück. Von dem Magazin zu seinem Wutausbruch befragt, sagte er: „Ich habe es einfach satt, dass Martha mich für ihr Versagen verantwortlich macht.“ Gleiches wiederholte er in einer Talkshow.

Wer sich nun wundert, warum der Mann, der so gerne hart austeilt, auf Kritik so sensibel reagiert, findet die Antwort wohl in den Programmzeitschriften: Am Montag startet Trump die fünfte Staffel seiner Original-„Apprentice“-Show. Und weil deren Quoten zuletzt auch nicht so berauschend waren, kann ein kleiner Skandal dem Geschäft nur gut tun – wozu sind Promi-Freundschaften denn schließlich sonst schon gut.

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