Welt : Im neuen Kleid

Nie vermarktete Lagerfeld seine eigenen Labels – das macht nun Tommy Hilfiger

Grit Thönnissen

Jeder kennt ihn. Er entwirft für die Luxushäuser Chanel und Fendi, ist Verleger und Buchhändler, fotografiert Mode und arbeitete für eine einmalige Kollektion mit der schwedischen Billig-Bekleidungskette Hennes & Mauritz zusammen. Dass Karl Lagerfeld auch unter seinem eigenen Namen Kleider auf den Markt bringt, geht bei all dem Trubel fast ein wenig unter. Das soll sich dank des amerikanischen Modeunternehmens Tommy Hilfiger schon bald ändern. Die Amerikaner werden Karl Lagerfeld alle seine Marken abkaufen, inklusive der Linie Lagerfeld Gallery, die in Paris bei den Prêt-à-Porter-Schauen gezeigt wird.

Es ist ein gutes Geschäft für beide Seiten: Karl Lagerfeld bleibt der kreative Chef seiner Marken und gewinnt einen finanzstarken Partner, der sich um die Expansion auf den US-amerikanischen Markt kümmert. Und Tommy Hilfiger bekommt einen der populärsten Designer der Gegenwart als neues Aushängeschild und kann sich so im gehobenen Bekleidungssegment versuchen. Denn die typischen Tommy-Hilfiger-Produkte wie Stoffhosen, Polohemden und bunte Strickpullover, die seit der Markengründung vor 20 Jahren als Verbindungsglied zwischen der feinen Gesellschaft auf Long Island und den Gangs der Bronx funktionierten, verkaufen sich nur noch in Europa blendend – in den USA verliert der Konzern an Umsatz. Spätestens seit Lagerfelds Konterfei auf T-Shirts von Hennes & Mauritz auftauchte, hat der Designer seine Tauglichkeit für den Massenmarkt bewiesen. Seltsamerweise wertet das sein Image als Designer von Luxusmode und Haute Couture keineswegs ab. Und er schafft es, die Erwartungshaltung vor jeder Saison in die Höhe zu treiben und sie dann auch tatsächlich zu erfüllen. Obwohl er nicht mehr zu den Jüngsten zählt, er ist Jahrgang 38, ist er geradezu der Archetyp des modernen Modemachers: Er passt sich jeder Rolle perfekt an und füllt sie ganz und gar aus, egal ob er T-Shirts für neun oder 300 Euro entwirft. Sein Credo: „Ich denke immer, der nächste Schritt wird noch besser.“

Modedesigner Tommy Hilfiger zollt seinem europäischen Kollegen denn auch höchsten Respekt: „Karl ist eine wahre Inspiration.“

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