Im BLICK : Stark wie August, arm wie Wowi

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Am letzten Dienstag haben sich die Ministerpräsidenten von Baden- Württemberg und Sachsen-Anhalt getroffen. In Stuttgart. Morgens um 6 Uhr 39. Es sollte eine Art Marketing-Aktion sein. Weil doch Sachsen-Anhalt das „Land der Frühaufsteher“ ist (seit eine Untersuchung vor einigen Jahren ergab, dass die Leute dort ein bisschen früher aus den Federn kommen als der Rest der Republik). Baden-Württemberg konterte dann, in Sachsen-Anhalt stehe man zwar früher auf, im Südwesten bleibe dafür niemand sitzen. Der Wettbewerbsföderalismus, so scheint's, findet mittlerweile vor allem bei den Sprüchen statt. Reiner Haseloff (das ist der stets ausgeschlafene Fürst der Frühaufsteher) traf also Winfried Kretschmann, der den Landesspruch von Baden- Württemberg („… außer Hochdeutsch“) vorlebt wie kein anderer.

Und damit wären wir in Sachsen. Auch ein Land, in dem die Menschen von sich glauben, alles zu können, ein Volk von Tüftlern und Machern, mehr noch als die Schwaben – schade nur, dass der Slogan „Wer hat’s erfunden?“ schon vergeben ist. Die Landesregierung in Dresden lässt derzeit einen eigenen Landesspruch suchen. Unter anderem via Internet, im Community-Verfahren, moderiert vom Regierungssprecher Johann-Adolf Cohausz, dessen Name irgendwie die Vorstellung weckt, er könnte schon August dem Starken gedient haben. Allerdings hebt die Debatte um den Landesslogan nicht richtig ab. Na, wie wäre es dann mit „Sachsen – stark wie August“? Schon gut, war nur ein Vorschlag.

Für Berlin gab’s auch mal einen Ideenwettbewerb, aber der Renner war dann ein vom Regierenden geprägter Satz. Mittlerweile lässt der Zuspruch etwas nach, zumal das mit der Armut nicht richtig rüberkam. Vielleicht sollte man's mal mit dem Slogan „wowowiwirbt“ probieren? Klingt schon wie eine Internetadresse und dürfte noch einige Jährchen passen. Und eine gute Kampagne braucht nun mal ein Gesicht. Der Baden-Württemberg-Spruch passt ja auch deshalb, weil die Leute dort verlässlich Männer ans Regieren bringen, die ihre starke Dialektfärbung nicht abgewaschen kriegen, wie Späth, Teufel, Oettinger, „Kretsch“ (Eigenmarke!).

Immerhin dürften die findigen Sachsen auf etwas Besseres kommen als „Saarland. Schön, dass du da bist“ – ein Satz, der immerhin auch in der Vergangenheitsform gut klingen würde. Oder als „An Hessen führt kein Weg vorbei“ (was immer so an „Fulda gap“ erinnert).

Die Amerikaner bringen es da mehr auf den Punkt. Sunshine State – da weiß überm Teich jeder, dass Florida gemeint ist. Kalifornien nannte sich mal Golden State. Louisiana ist der Bayou State. Illinois das „Land of Lincoln“. Aber was bringt Bayern auf den Punkt? Franz-Josefs-Land? Oder Hessen: Bembel-Staat? Fritzens Sandkistchen für Brandenburg? Und dann haben wir noch das Bindestrich-Problem. Wäre Pott-und-Pumpernickel-Land akzeptabel?

Dann doch lieber der deutschen Neigung zu Abkürzungen folgen. NRW eben. MeckPomm. BaWü. Markennamen wie BMW, BASF, Eon. Kriegt kein Werber besser hin. Nur bei Rheinland-Pfalz klappt’s nicht. Aber SchleHo wäre hübsch. Wir melden Patent an.

Nun ist dieser Image-Wettbewerb der Regionen zwar amüsant, man redet gern drüber, und manche Slogans sind durchaus clever. Aber bei aller Freude am Wort darf man doch fragen, was die Sprücheklopferei im Dienste der Landesregierungen und Landesvermarkter eigentlich bringt (außer ein bisschen Geld auf die Konten der Werbeleute). Zigmillionen geben die Länder (und der Bund sowieso) jedes Jahr für bunte Imagekampagnen aus. Das ist natürlich auch Wirtschaftsförderung, schon richtig. Aber ist es nötig? Muss man Sachsen wirklich auf den Spruch bringen? Oder Berlin? Und wenn der alte Slogan verbraucht ist, mit ein paar Milliönchen den nächsten suchen lassen? Wofür eigentlich? Standortmarketing, lautet die Antwort. Freilich macht das Marketing den Standort auch nicht besser, schöner, erfolgreicher. Er ist wie er ist. Und wie er gestaltet wird. Nicht durch Image-, sondern Produktpflege.

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