Welt : Immendorff hat dieselbe Krankheit wie Stephen Hawking

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(dpa/Tsp). Der Maler Jörg Immendorff war vor seiner Kokain und Sexparty mit Prostituierten nach eigenen Worten verzweifelt über sein Leiden an der Muskellähmung ALS. Der 58-Jährige sagte „Bild am Sonntag“: „Warum darf ein Mensch nicht mal verzweifelt sein? Am Abend vor dem Ausflug habe ich eine Reportage über einen jungen Fußballspieler gesehen, der ebenfalls an ALS erkrankt ist und bereits im Rollstuhl sitzt.“ „Natürlich habe ich Angstschübe“, sagte er. Alles habe 1998 begonnen. Er habe seine linke Hand, die Malerhand, nicht mehr bewegen können. „Erst versagten die Finger ihren Dienst, später war der ganze Arm gelähmt.“ Auch der Physiker Stephen Hawking leidet an der „Krankheit der Genies“, von der häufig körperlich oder geistig sehr aktive Menschen betroffen seien. ALS sei nicht heilbar, der Verlauf könne durch Medikamente jedoch verzögert werden, heißt es.

„Seine linke Hand hängt schlapp hinunter, die rechte kann er nur mit starker Willenskraft kontrollieren“, schreibt „BamS“. „Den Tee saugt der Künstler durch einen Strohhalm - er kann nicht mal mehr eine Tasse halten.“ Auf Sylt habe sich Immendorff einer Anti-Aging-Therapie unterzogen. Zuvor sei er bei Ärzten in New York und China und sogar bei einem Wunderheiler in Brasilien gewesen.

„Nach meiner Hochzeit vor drei Jahren war ich mit meiner Frau bei einem Berliner Professor“, sagte Immendorff der Zeitung. „Ich wollte wissen, welcher Lebensentwurf noch möglich war. Es ist aber ein Fehler, sich pausenlos die Art und Weise des Sterbens vor Augen zu führen.“

Eine Woche nachdem ihn die Polizei in einem Hotel mit 21,6 Gramm Kokain und neun Prostituierten erwischt hat, sagte Immendorff, ihm gehe es schlecht. Er stehe noch unter einer Art Schock. „Ich habe nicht mit so einer Welle gerechnet. Dagegen sind ja Daum und Friedman nichts.“ Die Reaktionen erinnerten ihn an verstaubte Zeiten, sagte der Künstler. Zugleich betonte er: „Ich will auf keinen Fall Heroin oder Kokain das Wort reden.“ Zu den Konsequenzen seiner Affäre sagte Immendorff: „Es wird sich zeigen; ich werde dazu stehen. Ich komme schon nicht unter die Räder.“ Er warf Medien Rufmord an seiner Frau vor und forderte, sie in Ruhe zu lassen. „Meine Frau weiß, wie sehr ich sie liebe und wie sehr unsere Tochter. Dass ich manchmal meinen Orientalismus ausleben musste, hat gar nichts damit zu tun.“ Der „Welt am Sonntag“ sagte Immendorff gesagt, aus seinem „Orientalismus“ beziehe er seine Inspirationen. Immendorff zeigte sich enttäuscht über die Prostituierte, die ihn offenbar bei der Polizei gemeldet hatte. Dies dokumentiere „den Verfall der Sitten in allen Berufsgattungen“: „Es gibt ehrenrührige Prostituierte, die einfach nicht kapiert haben, dass eine gute Hure eben auch nichts über ihre Klienten ausplaudert.“

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