Welt : Immer mehr Straßen unter Wasser

BADEN-BADEN (rtr).Sirenen heulen, Blaulicht und orangefarbene Warnleuchten flackern.Die Fahrt in die kleine Stadt am Schwarzwald endet an einem rot-weißen Absperrband.Dort, wo sonst täglich Tausende von Pendlern im Stau stehen, herrscht gespenstische Leere.Die Zufahrten sind abgeriegelt.Seit Mitternacht herrschte am Donnerstag Katastrophenalarm in Baden-Baden.

Weite Teile der Innenstadt standen unter Wasser, nachdem das Flüsschen Oos von einem Normalpegel von 30 Zentimetern vorübergehend auf fast drei Meter angestiegen war.1000 Helfer waren im Einsatz, darunter deutsche und französische Soldaten.Nachdem am Vormittag in Baden-Baden erneut Regen eingesetzt hatte, sagte der Erste Bürgermeister Jörg Zwosta vor Journalisten, er befürchte eine weitere "heiße Nacht".Mehrere Häuser seien einsturzgefährdet.In der Stadt lief die Tiefgarage eines Luxushotels voll, in der zwischen 40 und 70 Autos geparkt waren.

Die heftigen Unwetter haben in weiten Teilen Süddeutschlands schwere Schäden angerichtet.Neben Baden-Württemberg waren auch Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Niedersachsen betroffen.Im Hunsrück mußten nach Angaben der Behörden zahlreiche Straßen wegen Überflutungen, Erdrutschen und Steinschlag gesperrt werden.Auch im Bayerischen Wald und in Niederbayern kam es nach Angaben der Polizei wegen umgestürzter Bäume zu beträchtlichen Verkehrsbehinderungen.Zum Teil fielen Bäume auf fahrende Autos, doch wurden keine schwereren Verletzungen gemeldet.Im Regierungsbezirk Stuttgart gab es laut Polizei 28 wetterbedingte Verkehrsunfälle mit fünf Verletzten.Auch Bahnverbindungen wurden durch umgestürzte Bäume unterbrochen.Die Deutsche Bahn AG teilte mit, in den Morgenstunden sei es nur noch vereinzelt zu Verspätungen gekommen.

In Saarbrücken drohte die Saar über die Ufer zu treten.Eine Hochwasserwarnung für die Elbe gab das sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie heraus.Danach muß am Freitag an der sächsisch-tschechischen Grenze wegen ergiebiger Niederschläge in Gebieten der oberen Elbe und der Moldau mit dem Überschreiten der Meldegrenze gerechnet werden.Auch im Norden Bayerns traten mehrere Flüsse über die Ufer.Besonders kritisch sei die Lage in Mittelfranken, wo ganze Gebiete überschwemmt seien, teilte das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft mit.Im Raum Nürnberg gebe es an der Regnitz, der Fränkischen Rezat und und der Aisch Hochwasser.

Nach Angaben von Metereologen fiel der meiste Regen im Gebiet des Harzes.Im Ostharz seien in den vergangenen 48 Stunden 144 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.In Freudenstadt im Schwarzwald habe die Niederschlagsmenge in diesem Zeitraum 101 Liter betragen, weit mehr als für den gesamten Monat Oktober üblich.Im Laufe des Donnerstags seien vor allem noch Baden-Württemberg und Bayern von den Niederschlägen betroffen.Am Alpenrand werde sich die Regenfront ausregnen, so daß dort mit Überschwemmungen zu rechnen sei.

Auch in Niedersachsen traten Flüsse über die Ufer.Rund 30 Kilometer südlich von Hildesheim wurden durch eine Flutwelle der Leine die Ortsdurchfahrten von Kreiensen und Greene überschwemmt.Auch Teile der Altstadt der nahegelegenen Kurstadt Bad Gandersheim standen unter Wasser.Die Straßen der Innenstadt waren vorübergehend unpassierbar.Im Laufe des Tages entspannte sich die Lage nach Angaben der Polizei dort jedoch wieder, so daß schon mit Aufräumungsarbeiten begonnen werden konnte.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) teilte mit, für Schäden, die ab Windstärke acht entstünden, kämen in aller Regel die Gebäude-, Hausrat und Kaskoversicherer auf.Auch Folgeschäden durch eindringendes Wasser seien versichert, wenn der Sturm etwa Dächer abdecke oder Fensterscheiben eindrücke.

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