• Immer mehr Urlauber werden in der Sahara vermisst Informationen über Gefahr werden nur von engagierten Reisenden verbreitet. Landespresse hüllt sich in Schweigen Die Zahl der Sexualmorde an Kindern nimmt ab

Welt : Immer mehr Urlauber werden in der Sahara vermisst Informationen über Gefahr werden nur von engagierten Reisenden verbreitet. Landespresse hüllt sich in Schweigen Die Zahl der Sexualmorde an Kindern nimmt ab

Ralph Schulze[Algier]

Sind weitere europäische Urlauber in Südalgerien verschwunden? Nachdem 21 deutsche und Schweizer Touristen vermutlich entführt worden sind, ist das Schicksal weiterer westlicher Urlaubergruppen in der Zone unklar. Nach Angaben verschiedener Reiseveranstalter befinden sich immer noch Gruppen vor allem aus Deutschland in jener Wüstenzone, in der die Vermissten zum letzten Mal gesehen wurden. Zu einigen, so lauten bisher unbestätigte Berichte, besteht seit längerem kein Kontakt mehr.

Ein Reiseleiter, der anonym bleiben möchte, berichtet, dass etliche kleine Urlaubergruppen in den letzten Tagen ihre Wüstenreisen abgebrochen haben und sich unversehrt auf dem Heimweg befinden. Trotzdem gebe es immer noch Touristen in dem Gefahrengebiet zwischen den Städten Bordj Omar Driss, Illizi, Djanet und Tamanrasset, die über die lebensgefährliche Lage nicht informiert seien. Die Warnung vor Ort werde vor allem durch engagierte westliche Reisende verbreitet, die auf Campingplätzen und bei Pistenbegegnungen zum Verlassen der Gegend auffordern.

Rückkehrer aus der Gefahrenzone berichten, dass das algerische Militär nun im südlichen Wüstengebiet stark kontrolliert und das Befahren der südlichen Wüstenpisten nicht mehr gestattet. Die westlichen Behörden konnten bis zum Donnerstagnachmittag nichts Neues zur Aufklärung des spurlosen Verschwindens der 16 Deutschen, vier Schweizer und eines Niederländers beitragen. Auch blieb zunächst unklar, ob Möglichkeiten bestehen, die noch vor Ort befindlichen westlichen Urlauber in einer gemeinsamen westlichen Operation zu evakuieren. Ein Sprecher des deutschen Bundeskriminalamtes sagte dem Tagespiegel zum Schicksal der Verschwundenen: „Wir versuchen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, Informationen zusammenzutragen.“ Die Federführung in Deutschland liege aber beim Auswärtigen Amt. Staatssekretär Jürgen Chrobog habe, so heißt es aus dem Ministerium, mit dem algerischen Botschafter Mourad Bencheikh gesprochen und seine „Sorge“ über das mysteriöse Verschwinden ausgedrückt. Algerien habe „Kooperation“ zugesichert. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Ein Sprecher des österreichischen Außenministeriums bestätigte dem Tagesspiegel, dass man versucht habe, über Satellitentelefon und mit Hilfe der algerischen Behörden Reisegruppen vor Ort zu warnen. „Mehrere Touristen aus Österreich sind noch vor Ort, aber derzeit wird niemand vermisst.“ Alle westlichen Außenministerien raten inzwischen ausdrücklich von Reisen nach Südalgerien ab. Im Gegensatz zu Berlin und Bern, die über die Hintergründe des Verschwindens keine Angaben machen, spricht das Wiener Außenministerium inzwischen aus, was viele befürchten: „Ein krimineller oder terroristischer Hintergrund scheint wahrscheinlich.“ Die algerischen Behörden hüllen sich dazu weiter in Schweigen. Auch am Donnerstag informierte die Landespresse nicht über das Vermisstendrama.

Freiburg. Die Zahl der Kapitalverbrechen an Kindern scheint nach Ansicht von Experten relativ konstant zu sein. Es gebe keinen Grund zu befürchten, die Straftaten würden steigen, sagte der Kriminologe am Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Prof. Helmut Kury, am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. Die Zahl der Sexualmorde an Kindern habe sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren sogar verringert.

Von den rund 40 Kindern, die 2001 durch Mord oder Totschlag ums Leben kamen, war etwa ein Viertel Opfer von Sexualdelikten. „Über die Dunkelziffer bei Mord und Totschlag an Kindern lässt sich kaum etwas sagen“, sagte Kury. Auch sei es schwierig, Gründe für Straftaten an Kindern zu benennen. Oft würden Gewaltdarstellungen in den Medien als schlechte Vorbilder angeprangert. „Gewaltvideos können aber nur bei besonders empfangsbereiten Zuschauern einen gewissen Einfluss haben“, sagte er. Vielfach würden die Täter selbst Sozialisationsstörungen aufweisen. Kury hält strafrechtliche Sanktionen bei Kapitalverbrechen zwar für nötig. Doch sie hätten nur begrenzte Wirkung. „Eine Gefängnisstrafe macht nur Sinn, wenn die Täter dort behandelt werden“, sagte er. Es seien dringend zusätzliche psychologische Therapieplätze vonnöten. „Von allein wird niemand vom Saulus zum Paulus“, erklärte Kury. Das Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht befasst sich neben dem deutschen und ausländischen Strafrecht mit dem Gesamtbereich strafrechtlicher Sozialkontrolle. dpa

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