Immobilienkrise : Donald muss sich ducken

Bei Trump ist alles spektakulär. Seine Projekte, seine Frisur, seine Probleme. Jetzt holt ihn die Krise ein.

Rita Neubauer[San Francisco]
trump
Donald Trump: Kein Grund zur Freude -Foto: dpa

Mit dem 62-stöckigen Dubai Trump Tower wollte sich Donald Trump auch in den Arabischen Emiraten ein Denkmal setzen. Doch der Traum des Immobilien moguls ist vorläufig ausgeträumt. Das Projekt wurde eingemottet.

Nicht nur wurde das ferne Dubai kalt von der Immobilienkrise erwischt, auch „The Donald“ hat offenbar Probleme – in Chicago, in Atlantic City, Philadelphia und Frankfurt. In Frankfurt sitzt einer der großen Geldgeber des umtriebigen Bauunternehmers, die Deutsche Bank. Sie ist mit einem 640-Millionen-Dollar-Darlehen am Trump Tower in Chicago beteiligt. Doch seit dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA geht nicht nur der Verkauf der mehr als 700 Wohnungen und privaten Hotelsuiten äußerst schleppend voran, auch anderswo klemmt es.

So verstrich Trumps erste Zahlungsfrist über 334 Millionen Dollar an die Deutsche Bank. Als diese ihm nicht weiter entgegenkommen wollte, drehte der erfinderische Immobilienhai den Spieß herum und verklagte die Bank auf mehrere Milliarden Dollar. Sein Argument: Rufschädigung. Die Deutsche Bank sei ihm angesichts der „höheren Gewalt” – sprich Immobilienkrise – nicht kulant genug gewesen, habe ihm zusätzliche Kosten verursacht und wolle ihm womöglich nun das Gebäude abluchsen. Bei Trump ist eben alles spektakulär. Seine Projekte, seine Sprüche, seine unsägliche Frisur – und seine Probleme.

Die Strategie ist typisch Trump, der nicht zum ersten Mal eine Immobilienkrise durchlebt. Bereits in den frühen 90er Jahren wankte sein Imperium gewaltig, Teile seines Geschäfts machten bankrott. Doch Trump wäre nicht einst von den US-Bürgern zum „beliebtesten Kapitalisten“ des Landes erklärt worden, hätte ihn das umgeworfen. Die heutigen Probleme sind nicht weniger herausfordernd. Neben dem 790-Millionen-Dollar teueren Dubai-Projekt steckt offenbar Trump Entertainment Resorts in Schwierigkeiten. Die Aktiengesellschaft, der drei opulente Kasinos in Atlantic City gehören, versäumte laut Medienberichten jüngst ebenfalls eine Zinstilgung in Höhe von 53,1 Millionen Dollar. Was die Aktionäre von Trumps einst goldenem Händchen in der Spielerstadt halten, zeigt der Aktienkurs. Er hat 99 Prozent verloren.

In Philadelphia wurde ein 45-stöckiger Wolkenkratzer mit dem Namen des Bauherrn auf unbestimmte Zeit verschoben. Ivanka Trump, die Tochter aus der ersten Ehe, versicherte gegenüber der Presse, dass die Bauarbeiten fortgesetzt werden, „wenn es der Markt erlaubt”. Auf eine Markterholung hofft man auch in Schottland. Dort hatte Trump zwei Jahre lang gekämpft, ein ökologisch heftig umstrittenes Golfhotel zu bauen. Nun beschäftigt sich selbst das schottische Parlament mit dem Projekt und fragt, ob die Luxusvillen an dem unberührten Küstenabschnitt von Aberdeen noch realisiert werden.

Eine solche Frage ist nach Meinung von George Soriel, dem Manager des Trump Aberdeen Golfplatzes, Quatsch. Das Projekt sei wie all die anderen langfristig angelegt. Auf die Frage des „Independent”: „Ist Mister Trump noch ein Milliardär?“, schoss Soriel zurück. „Das ist eine dumme Frage. Natürlich ist er es.“ Oder auch nicht. Denn seit Jahren wird über das Vermögen des Selfmade-Milliardärs spekuliert. Nach der letzten Rechnung des „Forbes”-Magazins ist Trump mindestens drei Milliarden Dollar wert. Biograf Timothy L. O’Brien schätzt sein Vermögen auf 150 bis 300 Millionen. Was ihm prompt eine Klage von Trump einbrachte.

Über Trump wurde nach seinen Schwierigkeiten in der 90er Jahren eine Anekdote kolportiert. Als er in den Straßen von Manhattan einen Bettler sah, soll er angeblich zu seiner Gefährtin gesagt haben: „Schau, dieser Mann ist reich. Er hat nichts. Ich dagegen habe 900 Millionen Schulden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben