Welt : Impfen – nein danke?

Experten: Infektionsschutz in Deutschland muss verbessert werden

Rainer Woratschka

Vielleicht hilft ja die Angst vor der Vogelgrippe. Asientouristen sollten sich vorsichtshalber gegen normale Grippe impfen lassen, empfiehlt das Tropeninstitut der Universität München. Dies bewahre vor falschem Verdacht und bewirke möglicherweise eine Teilimmunität. Die Gefahr, zum gewöhnlichen Grippeopfer zu werden, nehmen die Deutschen weniger ernst. Trotz 10 000 Todesfällen pro Jahr lasse sich nur ein Drittel der Erwachsenen gegen Influenza impfen, sagt Fritz Beske, Direktor des nach ihm benannten Instituts für Gesundheitssystemforschung. Folge: 4,8 Millionen Erkrankungen und jährliche Kosten von drei Milliarden Euro. Auch gegen andere Infektionen fehle vielen der Schutz. Nur 59 Prozent der empfohlenen Impfungen würden durchgeführt. Pro Jahr infizierten sich bis zu 50 000 Deutsche mit Hepatitis B. Vor den Masern, die mit Hirnhautentzündung oder Tod enden können, seien nur 30 Prozent der Kinder geschützt. „Der Impfschutz in Deutschland muss verbessert werden“, sagt Beske. Er fordert mehr Druck durch Krankenkassen, Ärzte, Gesundheitsämter. Christel Hülße von der Ständigen Impfkommission geht weiter. Ohne Impfnachweis, so die Professorin, sollten Kinder künftig weder in Horten noch Schulen unterkommen.

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