Welt : Impfstoff gegen Rauchen: Die Weltgesundheitsorganisation bekämpft den Tabak

Gisela Ostwald

Das Arsenal der Rezepte gegen das Rauchen ist schier unerschöpflich. Mit einem Impfstoff wollen Mediziner künftig gegen die Nikotinsucht zu Felde ziehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) baut auf den Effekt höherer Steuern, weiß sich aber auch keinen Rat gegen deren Kehrseite, den boomenden Zigarettenschmuggel. Bei allem Ideenreichtum steht außer Zweifel: Tabak wird in wenigen Jahren der größte Killer der Menschheit sein. Schon jetzt fordert er alle neun Sekunden ein Opfer, vier Millionen Leben im Jahr. Und die Tendenz ist stark steigend. Schuld an der globalen Misere ist nach Überzeugung der Experten zum einen das Suchtmittel Nikotin, zum anderen der Marketing-Etat der Tabakindustrie in Höhe von fast 12 Milliarden Mark im Jahr 1998. Zu diesem Schluss kam der 11. Weltkongress "Tabak ODER Gesundheit", der heute in Chicago zu Ende geht.

In den USA lässt sich nach einer Erhebung der Zentren für Krankheitskontrolle und -vorbeugung (CDC) in Atlanta weiterhin jeder fünfte Tod auf Folgen von Tabakkonsum zurückführen. Die größte Rauchergruppe in Großbritannien bilden ausgerechnet die 20- bis 24-Jährigen. In Deutschland wie in Großbritannien und Italien macht der Schmuggel von Zigaretten dem Zoll zu schaffen. Das Bundesministerium für Finanzen schätzt nach einem Bericht in "Focus", dass Deutschland durch den Zigarettenschmuggel jährlich um Steuern in Höhe von einer Milliarde Mark gebracht wird. Schlimmer noch: die Billigware hält Raucher bei der Stange, die sonst aus Kostengründen vielleicht aufgeben würden.

Noch mehr Sorgen als die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Industrieländern bereitet der WHO-Direktorin Gro Harlem Brundtland das wachsende Heer der Raucher in Entwicklungsländern. Brundtland erwartet, dass bald 70 Prozent aller Todesfälle durch Tabak auf die Dritte Welt entfallen werden. Sie schlug den Kongress-Teilnehmern aus 130 Ländern in Chicago deshalb vor, die Steuern so weit zu erhöhen, dass Zigaretten wenigstens zehn Prozent teurer werden. Vorreiter dieses Modells ist Norwegen, das seine Steuern bereits drastisch anhob und jetzt 16 Mark für eine Schachtel Zigaretten verlangt. Kanada dagegen versucht, Käufer mit Darstellungen kranker Raucherlungen abzuschrecken.

Derweil rüstet sich die Pharmaindustrie sicher nicht ganz uneigennützig, den Tabakentzug mit einer Reihe von Präparaten erträglich zu machen. Neben dem ersten Impfstoff, der am Heepin County Medical Center in Minneapolis entwickelt wird, sollen Substanzen zum Inhalieren die Nikotinsucht bekämpfen. Dagegen kurbelt ein Forscherteam um Rachel Tyndale von der Universität Toronto den Nikotinspiegel im Körper künstlich hoch und erreicht damit eigenen Angaben zufolge eine Reduktion des Tabakkonsums von 50 Prozent. Andere Forscher fanden bei 6200 Zwillingen in Australien, dass die Nikotinsucht oft eine weitere Abhängigkeit fördert - die vom Alkohol. Ob aber solche Erkenntnisse - ebenso wie die Entdeckung, dass Jugendliche durch Nikotingenuss schlechter schlafen - Raucher tatsächlich von dem nächsten Griff zur Zigarette abhalten, bleibt abzuwarten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben