Welt : Implantate: Urteil erst im Dezember

Marseille - Nach einmonatiger Verhandlung ist im südfranzösischen Marseille der Betrugsprozess zum weltweiten Skandal um die Billig-Brustimplantate der Firma PIP zu Ende gegangen. Der Anwalt von Firmengründer Jean-Claude Mas forderte einen teilweisen Freispruch für seinen Mandanten. Ein Urteil gegen Mas und vier ebenfalls angeklagte frühere Mitarbeiter soll erst am 10. Dezember bekannt gegeben werden. Gutachten hätten gezeigt, dass von dem in den Brustimplantaten verwendeten Billigsilikon „überhaupt keine Gefahr“ ausgehe, sagte Anwalt Yves Haddad in seinem Schlussplädoyer. Daher könne nicht von „schwerer“ Täuschung die Rede sein, wie die Staatsanwaltschaft es Mas vorwirft.

PIP hatte weltweit hunderttausende Brustimplantate verkauft, die mit nicht für die Einlagen zugelassenem Industriesilikon gefüllt wurden. Die Billigkissen reißen häufiger und rufen Entzündungen hervor. Allein in Deutschland sind 5000 Frauen betroffen. In dem Verfahren in Marseille traten 7400 betroffene Frauen als Nebenklägerinnen auf, jede dritte von ihnen stammt nicht aus Frankreich.

Im Verlauf des Prozesses hatte Mas wie im Polizeiverhör gestanden, seine Brust- implantate mit dem hausgemachten Billiggel gefüllt zu haben. Er widerrief aber seine frühere Aussage, wonach er die Kontrolleure des Tüv Rheinland absichtlich hinters Licht geführt habe. Der Tüv hatte die Implantate europaweit zertifiziert.

Staatsanwalt Jacques Dallest forderte für den 73-jährigen Mas eine vierjährige Haftstrafe, eine Geldstrafe von 100 000 Euro sowie das Verbot, im Medizin- oder Gesundheitswesen tätig zu sein und ein Unternehmen zu führen. Der Schwindel war 2010 bei einer Kontrolle durch die französische Medizinprodukteaufsicht aufgeflogen, danach ging die Firma PIP pleite. Unklar ist, von wem betroffene Frauen entschädigt werden könnten. AFP

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