Welt : „In 100 Jahren gibt es keinen Winter mehr“

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Berlin Wird es noch einmal Winter in diesem Jahr? Frühlingswetter mit 18 Grad und strahlendem Sonnenschein herrschten am Wochenende in Süddeutschland. Ganz Deutschland meldete Rekordtemperaturen. Der Januar hat beste Chancen, als der wärmste in die Geschichte einzugehen. In Polen haben sich viele Bären noch nicht zum Winterschlaf hingelegt. Die Schweiz klagt über Schneeschmelze zur Haupt-Wintersportsaison. Gleichzeitig tobten Stürme im Norden. Das Meer spülte fast den ganzen Weststrand von Sylt weg.

Spielt das Wetter verrückt? Ist die Klimakatastrophe in vollem Gange? „In 100 Jahren werden wir keinen Winter mehr haben, wenn wir so weitermachen“, sagte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif am Dienstag auf Anfrage. Dass die vom Menschen mitverursachte Klimaerwärmung in vollem Gange ist, sei durch wissenschaftliche Berechnungen belegt. Latif prognostiziert in 100 Jahren 50 Frosttage weniger im Jahr in Deutschland. „Sie können sich denken, wie viel Schnee wir dann noch sehen werden.“ Nur noch in 2000 Metern Höhe und darüber sei dann eventuell noch Wintersport möglich.

Dass es in den kommenden Tagen kühler werden wird, kann kaum beruhigen. „Das ist allenfalls vorübergehend“, sagt Tanja Lamprecht von Meteomedia. Für den heutigen Mittwoch werden in Berlin noch 11 Grad erwartet, Donnerstag und Freitag 6, ab Samstag 2 Grad. Am Freitag können sich unter den Regen auch nasse Schneeflocken mischen.

Wer in der ARD das Kachelmann-Wetter verfolgt, stutzt über die Extremwerte der Wetterstation Pfuntensee . Minus 15,8 Grad wurden dort in der vorletzten Nacht gemessen. Wie kann das sein? Pfuntensee in Bayern ist ein Extremfall. Der windgeschützte Talkessel in 1600 Metern Höhe fängt alle kalte Luft von den umliegenden Bergen auf, sagt Thomas Globig von Meteomedia. Herbeiströmende Warmluft zieht darüber hinweg, ohne sich festzusetzen. Menschen leben dort nicht. Es gibt nur eine Hütte für Wanderer und Wintersportler. os

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