Welt : In 67 Stunden um die Welt

Der amerikanische Abenteurer Steve Fossett hat den spektakulärsten Rekord seiner Karriere aufgestellt: Als erster Pilot flog der 60-Jährige allein, ohne Zwischenstopp und aufzutanken um die Welt. Zur Ruhe setzen will er sich nicht: Der Milliardär plant offenbar schon die nächsten Agenteuer.

Washington/Salina (04.03.2005, 14:46 Uhr) - Der Milliardär landete am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) unter dem Jubel Tausender Zuschauer in Salina im US-Bundesstaat Kansas, wo er am Montag gestartet war.

Für die rund 37 000 Kilometer lange Strecke benötigte der passionierte Hobbyflieger mit seinem Ultraleichtflugzeug «GlobalFlyer» nach offiziellen Angaben 67 Stunden, zwei Minuten und 38 Sekunden. Die US-Presse würdigte Fossett als Piloten «im Geiste Lindberghs» («New York Times») und «tollkühnen Millionär» (»Daily News»)

Beim Aussteigen aus dem Cockpit wirkte Fossett erschöpft, aber überglücklich. Mit einem Lachen im Gesicht sagte er zuerst nur zu seiner Frau Peggy: «Oh, Boy». Danach nahm Fossett eine Champagner- Dusche. «Das war eine schwierige Reise. Das war eine der härtesten Sachen, die ich je gemacht habe», gab er später zu.

Vor der Landung hatte der 60-Jährige aus dem Cockpit gefunkt, dass er trotz seiner Kopfschmerzen und des Schlafmangels den Flug genossen habe. Die 67 Stunden überstand der Abenteurer nach eigenen Worten mit einer Diät aus zwölf «nicht gerade reizvollen» Milchshakes sowie einem halben Dutzend Kurzschlafphasen von zuletzt nur zwei Minuten Länge.

Das waghalsige Abenteuer des Rekordjägers drohte knapp nach der Hälfte der Flugstrecke zu scheitern. Kurz vor Japan gab das Team überraschend bekannt, dass ein Siebtel weniger Treibstoff im Tank war als ursprünglich angenommen. Bislang ist weiter unklar, ob es sich um einen Fehler beim Auftanken handelte oder ob die Anzeige versagt hat. Zuvor erlebte Fossett einen «Schockmoment», als kurz nach dem Start sein satellitengestütztes System zur weltweiten Positionsbestimmung (GPS) zwei Stunden lang ausfiel und der Abbruch des Fluges drohte.

Mit Hilfe des starken Rückenwindes über dem Pazifik schaffte es Fossett jedoch, den Treibstoffmangel wieder wettzumachen und den Rekordflugversuch auf der Zielgeraden sicher zu beenden.

Unterwegs brach Fossett praktisch nebenbei einen 43 Jahre alten Flugrekord, weil er, auch noch solo, eine längere Strecke zurückgelegt hatte als jeder andere Pilot vor ihm. Die bisherige Rekordmarke wurde 1962 von einem B-52-Bomber aufgestellt. Außerdem wurde Fossett zum Rekordhalter in der Disziplin «größte Geschwindigkeit beim Non-Stop- Flug um die Welt».

Den ersten Flugenthusiasten, die um den Globus flogen, waren im Juni 1931 der Pilot Wiley Post und sein Navigator Harold Gatty - allerdings mit 14 Zwischenstopps. Den ersten Flug ohne aufzutanken und ohne Zwischenstopp absolvierten Dick Rutan und Jeana Yeager im Dezember 1986 in neun Tagen. Fossett benötigte nun allein nur noch knapp ein Drittel dieser Zeit.

Der amerikanische Milliardär stellte vor seinem Rekordflug nach eigenen Angaben bereits 62 Rekorde zu Luft, zu Wasser und zu Land auf. Im Jahr 2002 flog er als erster Mensch allein mit einem Heliumballon um die Erde.

Nach seinen neuen Rekorden will sich der 60-Jährige keineswegs zur Ruhe setzen. Fossett verfolgt nach eigenen Worten bereits drei neue Projekte, die er aber noch nicht nennen wollte. (tso)

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