Welt : In Augsburg wird der schwäbische Schlagerstar zum Wiedergänger

Carin Adolph

Vorabendprogrammdarsteller tanzen und singen das Leben von Roy BlackCarin Adolph

"Unser Roy hätte sich im Grabe umgedreht", schimpfte die Augsburgerin Maria Reinertshofer. Monatelang hatte sie sich darauf gefreut, ihr Idol auf der Bühne wiederzusehen - wenn auch nur als Star des Musicals "Ganz in Weiß" von Arno Löb. Doch schon zur Pause hatte sie die Nase voll. "Das war einfach furchtbar." Geärgert habe sie sich vor allem über die Playback-Einlagen in schlechter Klangqualität. Auch die Glamour-Stimmung der Schlagerwelt wollte in der kargen Augsburger Kongresshalle nicht recht aufkommen. Manche Zuschauer sprachen von einer dilettantischen Aufführung auf dem Niveau eines Schülertheaters. Der Beifall versandet schnell, manche wollen nichts wie raus.

Andere Fans fanden immerhin Vergnügen an der verblüffenden Ähnlichkeit des Hauptdarstellers Claudio Maniscalco mit dem echten Roy Black. Die heimische Mundart des gebürtigen Schwaben Roy Black allerdings hätte der Berliner Schauspieler nach Ansicht vieler Fans aber besser üben müssen. Die Augsburgerin Hannelore Schober spürte den sprachlichen Schwachpunkt genau auf: "Das war bayerisch!". Außerdem fehlte Maniscalo an diesem Abend genau das, was die Frauen an Gerhard Höllerich, wie der Sänger im bürgerlichen Leben hieß, so liebten: die strahlend blauen Augen. Von den vielen Fototerminen im Vorfeld der Premiere habe er ganz entzündete Augen, gestand der Darsteller.

In dem Musical sollen über acht Jahre nach dem Tod von Roy Black neben dem Glanz auch die Schattenseiten der Schlagerkarriere gezeigt werden. Die "musikalische Biografie" stammt von dem Augsburger Autor Arno Löb. Angetrieben von skrupellosen Managern bleibt von der heilen Welt des Schlagersängers Roy Black nur noch eine Fassade: Statt der erhofften Karriere als Rocksänger kann er mit seinen romantischen Liedern schließlich nur noch Bierzelte und Vereinsheime füllen.

Durch die Lebensstationen führt als "Blacky"-Freund "Günni" der aus der RTL-Daily-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bekannte Teenie-Schwarm Ralf Benson. Auch Chrissy Schulz als Roys "große Liebe" Sylvia hat sich in RTL-Serien einen Namen gemacht.

Neben dem Hochzeitsklassiker "Ganz in Weiß", der 1966 über 17 Wochen die Hitlisten anführte, sind im Laufe des Abends auch Ohrwürmer wie "Du bist nicht allein", "Das Mädchen Carina", "Schön ist es auf der Welt zu sein" oder "Sand in deinen Augen" vom Band zu hören. Das Schlussbild strahlt natürlich ganz in Weiß: Engel besingen den letzten Weg des Unvergessenen, und "Roy Black" entschwindet rückwärts schreitend durch eine Pforte wie durch ein Himmelstor.

Der Beginn der "Weltpremiere" des Musicals verzögerte sich am Dienstag Abend übrigens um eine gute Viertelstunde: Münchens Modezar Rudolph "Mosi" Moshammer hielt gewohnheitsmäßig als Letzter Einzug und wollte erst noch seinen Fans im Parkett zuwinken.

Hinterher war von "Mosi" zu erfahren, es habe ihm "super" gefallen. Allerdings sei er nicht der berufene Kritiker dieser Show. Schließlich habe er Roy Black persönlich gekannt und sei deshalb befangen. Eines störte Moshammer aber doch: nämlich "dass Roy brünett und nicht black ist. Warum hat man ihm die Haare nicht gefärbt?"Die Aufführung ist bis zum 12. Mai in Augsburg, vom 19. Mai bis 2. Juli in Köln zu sehen. Im Herbst startet die Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ticket-Hotline 01805-224647

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