Welt : In den Untergrund gehen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

Bitte wundern Sie sich nicht: Dieses Wochenende schicke ich Sie ausnahmsweise mal in Richtung Potsdamer Platz zum Feiern. Auch wenn Sie sonst um die Club- und Party-Wüste Potsdamer Platz üblicherweise und völlig berechtigt einen großen Bogen schlagen, sollten Sie morgen Abend in der Leipziger Straße, nähe des S-Bahnhofs Potsdamer Platz, sein. Nein, ich möchte Sie nicht auf die Vorab-Eröffnungsparty der Neuauflage der Frankfurter Flughafen-Disco Dorian Gray schicken, die in Kürze in der gleichen Gegend einen Club „auch für Schlipsträger“ und „Global Player“ eröffnen möchte. Zumindest hat das ihr Macher Gerd Presinger jüngst dieser Zeitung gesagt. Sie sollen morgen Abend am Potsdamer Platz vielmehr in den Untergrund gehen. An den Ort, an dem ja in kultureller Hinsicht meistens das Spannendere geboten wird, und der an dieser Stelle stets besonders gerne beleuchtet wird. Solange man dabei nicht an Gesetzesgrenzen stößt.

Also, gehen Sie in die Leipziger Straße. Dort, wo früher noch während der Bauarbeiten des Potsdamer Platzes die rote Info-Box stand, befindet sich jetzt ein kompakter blauer Kubus, und darin der Eingang zum Tunnel der U3. Gehen Sie einige Treppen hinunter, und laufen Sie dann etwa hundertfünfzig Meter auf nacktem Beton den leeren U-Bahnhof entlang. Ein Ort, der auch gut als Drehort für einen Science-Fiction-Film dienen könnte. Einige Meter weiter werden Sie helles Licht aus der Tiefe des Tunnels sehen. Und dumpf einen nach vorne stampfenden Beat hören. Dort müssen Sie dann hin.

Aber Moment, ich schicke Sie morgen Nacht natürlich nicht nur zu einer Architekturbesichtigung oder zu einem Rundgang in den umstrittensten Berliner Untergrund: Den leeren U-Bahn-Schacht der viel kritisieren und wegen Geldmangels unvollendeten „Kanzlerbahn“, die den Lehrter Bahnhof mit dem Potsdamer Platz verbinden sollte. Sie sollen dort selbstverständlich vor allem feiern gehen.

In dem Schacht findet eine ziemlich groß angelegte Party statt, nämlich die große Berliner Club-Battle „Champions League“, bei der das Casino, der Tresor und Bpitch Control antreten, die U-Bahn-Betonröhre und den angrenzenden Potsdamer Platz ordentlich und bis in die frühen Morgenstunden zum Wackeln zu bringen.

Dafür hat man von Sascha Funke über Mitte Karaoke und Sammy Dee eine ganze Reihe Berliner Elektro- und Techno-Größen zusammengetrommelt, die mit ordentlich Bum Bum den Tunnel weiter in das kollektive Party-Gedächtnis der Stadt schreiben dürften. Die Profis unter Ihnen haben dort vielleicht schon gefeiert, denn in dem U3-Tunnel war bereits die Premierengala des Steven Spielberg-Films Minority Report und Anfang November spendierte dort MTV und ein Elektronikmulti eine große Privat-Party, bei der sich das hippe Berlin bei Frei-Getränken okay amüsierte. Sollten Sie noch nicht dort gewesen sein, lassen Sie sich morgen Abend Ihre Chance nicht entgehen. Der U3-Tunnel ist nämlich nicht gerade häufig geöffnet und niemand weiß, wann dort mal wieder eine gute Party stattfinden wird. Denn wollten Sie nicht schon immer mal in der Gegend des Potsdamer Platzes feiern gehen?

Champions League, U-Bahnhof Potsdamer Platz, Leipziger Strauße, Mitte, Samstag ab 23 Uhr.

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