Welt : In den USA beginnen neue Hinrichtungen Oberste Richter beenden das Moratorium

Christoph von Marschall

Washington - Nach sieben Monaten Verzicht auf den Vollzug der Todesstrafe sollte in der Nacht zum heutigen Mittwoch erstmals wieder ein Verurteilter in den USA mit der Giftspritze hingerichtet werden: William Lynd in Georgia. Er hatte seine Freundin Ginger Moore 1988 umgebracht.

Nach einem Streit schoss er ihr ins Gesicht und ließ sie schwer verletzt liegen, um erst mal eine Zigarette rauchen zu gehen. Als sie sich danach immer noch regte, schoss er ihr ein zweites Mal ins Gesicht und packte sie in den Kofferraum ihres Autos. Als sie nach einigen Kilometern Fahrt immer noch Lebenszeichen von sich gab, schoss er ihr ein drittes Mal in den Kopf und begrub den Leichnam unterwegs. Auf seiner Flucht erschoss er eine weitere Frau in Ohio, um ihr ihr Auto wegzunehmen.

In den gut sieben Monaten seit Ende September 2007 hatte es keine Exekutionen in den USA gegeben. Die 32 Bundesstaaten, die die Todesstrafe praktizieren, warteten auf ein Grundsatzurteil des Verfassungsgerichts.

Nachdem es zu mehreren Pannen gekommen war und Verurteilte in besonders krassen Fällen anderthalb Stunden litten, hatten mehrere Anwälte Verfassungsbeschwerde gegen die Giftspritze eingereicht.

Sie hofften, so die Todesstrafe de facto zu beenden, weil diese Methode fast überall die einzig zulässige ist. Am 16. April erklärten die obersten Richter die Giftspritze aber mit sieben zu zwei Stimmen für verfassungsgemäß. Für 2008 sind bereits jetzt wieder 17 Hinrichtungen angesetzt. Christoph von Marschall

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