Welt : In der Warteschleife

Kurz vor Ostern streikt in Italien das Flugpersonal

Thomas Migge[Rom]

Heidrun Kaltenbrunner hatte ihre Reise minutiös vorbereitet. Die in Rom lebende Deutsche wollte zusammen mit ihren zwei und drei Jahre alten Kindern nach Palermo fliegen. Von dort aus wollten sie mit einem Mietwagen in eine Ferienwohnung bei Agrigent fahren. Doch ein Streik der italienischen Fluglotsen, des Flugpersonals sowie des Personals innerhalb der Flughafens machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Montagmorgen war sie trotz der Hinweise in den Medien auf den Streik zum internationalen Flughafen Leonardo da Vinci gefahren. Sie hatte darauf gehofft, doch noch eine Maschine Richtung Palermo zu finden. Aber daraus wurde nichts. Tausende Fluggäste hatten genau wie sie gehofft, doch noch abfliegen zu können – vergeblich. Der von den drei großen Gewerkschaftsverbänden ausgerufene Streik von acht Stunden, genau während der Hauptverkehrszeit und nur wenige Tage vor Ostern, zeigte Wirkung.

Am schlimmsten betroffen war der Flughafen in Mailand. Dort wurden nahezu 90 Prozent aller Flüge gestrichen. In ganz Italien fielen Hunderte von Flügen aus. Besonders betroffen waren auch jene Insel-Italiener, die am Montag von verschiedenen italienischen Flughäfen aus über die Feiertage nach Sizilien und Sardinien fliegen wollten. Ob sie vor Ostern noch freie Plätze in anderen Maschinen finden werden, ist ungewiss. Auch auf deutschen Flughäfen machte sich der Streik in Italien erheblich bemerkbar: Die Lufthansa musste am Montag 108 Flüge streichen oder verschieben. Allein in München fielen insgesamt knapp 50 Flüge aus.

Anders als früher entschieden sich die Gewerkschaften ausgerechnet in der Osterzeit zu Arbeitsniederlegungen. „Na, das ist ja wunderbar!“, schimpfte ein Römer, der in Turin einen Vertrag unterzeichnen wollte. Am Wochenende hatte gerade erst die Bahn gestreikt - daher ist er sicherheitshalber nicht wie sonst mit dem Zug gefahren, sondern wollte ein Flugzeug nehmen. Jetzt wird aus der Vertragsunterzeichnung vorerst nichts.

Die Gewerkschaften kündigten weitere Streiks an. An den Oster-Feiertagen hingegen wird die Arbeit nicht niedergelegt. Ein Gesetz verbietet, dass an wichtigen Feiertagen der Flugverkehr zusammenbricht. Doch auch Arbeitsniederlegungen vor und kurz nach Ostern zeigen ihre Wirkungen.

Wie im Fall von Rossana Mazzoni aus Venedig. Sie hatte am Morgen ihr Hotel in Rom verlassen, um wieder nach Hause zu fliegen. „Ich weiß nicht“, sagt sie, „wo ich heute nacht schlafen soll, denn scheinbar ist in Rom jedes Bett voll.“ Ähnlich ergeht es ausländischen Touristen, die noch vor Ostern einen Kurzurlaub machen wollten und bereits an diesem Dienstag wieder bei der Arbeit sein sollten. Gerissene Geschäftemacher versuchten am Flughafen besonders teure Gästezimmer in Pensionen und Hotels zu vermitteln. Besonders Familien sahen sich dazu gezwungen, auf diese Vermittler zurückzugreifen, um die Nacht nicht am Flughafen zu verbringen.

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