Welt : In meinem früheren Leben

Hape Kerkeling hat ein Phänomen angesprochen. Was sagt die Wissenschaft dazu?

Roland Knauer

Wiedergeburten boomen zurzeit in deutschen Medien: Der Entertainer Hape Kerkeling zum Beispiel lebte nach eigener Aussage bereits als Mönch im Zweiten Weltkrieg, im Trance sah er seinen eigenen Tod, als deutsche Soldaten ihn in einem polnischen Kloster erschossen. Andere Prominente outen sich mit ähnlichen Erfahrungen. Wahrnehmungsphysiologen wie Rainer Wolf von der Würzburger Universität aber haben so ihre Zweifel, ob dabei alles mit rechten Dingen zugeht.

Mit vielen anderen Forschern gemeinsam versucht er in der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), solchen Phänomenen mit den Methoden der modernen Naturwissenschaften auf den Grund zu gehen - und findet erstaunliche Zusammenhänge. Waren Menschen dem Tode nahe, berichten sie zum Beispiel häufig, ihre Seele hätte den Körper bereits verlassen und sie hätten von außen beobachtet, wie die Sanitäter und Ärzte sich verzweifelt bemüht haben, sie ins Leben zurückzuholen.

Solche „Grenzerfahrungen“ aber beweisen ein Entweichen der Seele nicht unbedingt, meint Rainer Wolf. Reizen Forscher zum Beispiel mit Elektrosonden bestimmte Stellen im Gehirn gesunder Menschen, haben diese plötzlich ganz ohne Todesnähe genau die gleiche „Out-of-Body“Empfindung und glauben, über ihrem eigenen Kopf zu schweben. Auf dem Weg zur nächsten Wiedergeburt aber ist die Seele damit kaum. „Ich würde nie sagen, damit wäre gezeigt, dass die Seele bei diesen Menschen nicht entweicht“, betont Rainer Wolf. Solche Experimente aber beschreiben zumindest, dass solche Erfahrungen auch anders als durch übersinnliche Erscheinungen zustande kommen können. Das Kreuz der Naturwissenschaftler ist aber, dass sie nicht beweisen können, ob etwas nicht existiert. „Selbst die Existenz des Pumuckl aus den Hörspielserien und Kinderbüchern können wir in der Realität nicht widerlegen“, meint der Forscher. Schließlich könnte der Kobold ja in irgendeiner Ecke stecken, die noch kein Naturwissenschaftler unter die Lupe genommen hat. Positive Beweise dagegen sind das tägliche Brot von Naturforschern. Also drehen die GWUP-Wissenschaftler den Spieß einfach um und versuchen, Reinkarnationen zu beweisen. Erzählt zum Beispiel ein Wiedergeborener Dinge, von denen er in seinem jetzigen Leben allen Bemühungen zum Trotz einfach keine Kenntnis haben kann, wäre ein solcher Beweis erbracht. Im Fall des Komikers Hape Kerkeling könnte man nun einfach nachforschen, ob es das betreffende Kloster wirklich gibt, ob dort wirklich deutsche Soldaten Mönche erschossen haben und ob Hape Kerkeling davon irgendetwas erfahren haben könnte, ohne dass er tatsächlich dort gelebt hat. Nennt der Komiker dann auch noch Details, die nur der erschossene Mönch selbst wissen könnte, wäre der Beweis für eine Wiedergeburt erbracht. Bisher aber ist ein solcher Nachweis in keinem einzigen Fall gelungen. Dabei gab es durchaus vielversprechende Ansätze. Da spricht ein Mädchen plötzlich eine Sprache, das es nie gelernt hat, der Verdacht auf eine Wiedergeburt liegt natürlich nahe. Bis irgendwann ein findiger Forscher entdeckt, dass früher ein Kindermädchen mit eben dieser Muttersprache das Mädchen betreut hat. Kinderlieder aber singen Kindermädchen gern in ihrer Muttersprache.

Recht gut wissen die Forscher dagegen, wie die Erinnerungen an ein früheres Leben zustande kommen. Oft klappt das nur, wenn der Betroffene in Trance versetzt wird. Rainer Wolf aber weiß, dass sich dabei das Wahrnehmungsfeld des Betroffenen erheblich verengt, während gleichzeitig die Fantasie angeregt wird. Weil der Kontakt zum Therapeuten erhalten bleibt, baut der Mensch in Trance dessen Fragen und Vorschläge in seine Fantasien ein und berichtet von seinem Leben im alten Rom oder einer Landung auf einem fremden Planeten. Heftige Gefühlswallungen machen solche Fantasien oft glaubhaft, auch wenn sie meist der historischen Realität und damit einer Wiedergeburt widersprechen.

Für Wahrnehmungsforscher Rainer Wolf gibt es ein wichtiges Ergebnis seiner Disziplin, das eine Wiedergeburt recht unwahrscheinlich macht: Fällt im Gehirn ein bestimmter winziger Bereich aus, können die Betroffenen zwar noch hervorragend sehen, nehmen aber keine Bewegungen, sondern nur noch Standbilder wahr. Ist ein anderer Hirnbereich betroffen, fallen plötzlich alle Farben aus, obwohl die Bilder sonst gestochen scharf sind. „Geist und Erinnerung sind eben an die Hardware Gehirn gebunden“, schließt der Forscher daraus. Ganz so einfach kann die Seele also ohne Hardware anscheinend nicht zum nächsten Körper wandern.

Und Hape Kerkeling. Der kann uns doch unmöglich belogen haben. Oder? In seinem Film „Kein pardon“ gibt es eine Szene, in der nur so tut, als ob er sich an ein früheres Leben erinnert. Hape Kerkeling ist berühmt dafür, dass er in fremde Rollen schlüpft, so tut, als ob, und hinterher zeigt er uns eine lange Nase.

Wird er uns auch diesmal eine lange Nase zeigen? Wenn, dann erst, wenn sich sein neues Buch gut verkauft hat.

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