Welt : In zwei Stunden um die Welt

Ein Testflugzeug der Nasa schaffte siebenfache Schallgeschwindigkeit – die USA planen auch militärische Nutzung

Rainer W. During

Ein Hyperschall-Flugzeug, das in zwei Stunden jeden Punkt der Welt erreichen kann – das soll bis 2050 Realität werden. Ein erster Schritt in die bisher Raketen vorbehaltene Tempodomäne ist getan. Gestern früh klappte im zweiten Anlauf in Kalifornien der Start der nur 3,66 Meter langen X-43A. Der einem Surfbrett mit Leitwerk ähnelnde, unbemannte Testjet erreichte während des nur zehn Sekunden dauernden, freien Fluges über dem Pazifik siebenfache Schallgeschwindigkeit (rund 7700 Stundenkilometer) und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Nasa-Programmdirektor Larry Huebner sprach von einem Meilenstein in der Luftfahrtgeschichte, der mit dem ersten Motorflug der Gebrüder Wright vor 100 Jahren vergleichbar sei.

Die X-43A ist das Kernstück des 250 Millionen US-Dollar teuren Hyper-X-Programms der US-Luft- und Weltraumbehörde Nasa. Das Forschungsprojekt soll nicht nur der Entwicklung eines Nachfolgers für die Space-Shuttle-Raumfähren dienen, sondern langfristig auch die Basis für neue Verkehrsflugzeuge bilden. Auch militärisch hat die X-43A Bedeutung. Nach dem von Präsident George Bush initiierten Hyperschall-Programm soll es bis 2025 einen Bomber geben, der mit vielfacher Schallgeschwindigkeit binnen zwei Stunden Ziele in einem Umkreis von 16000 Kilometern angreifen kann.

Als Triebwerk dient ein röhrenförmiger, so genannter Scramjet, der über keine beweglichen Teile verfügt. Die notwendige Verdichtung der für den Verbrennungsprozessbenötigten Luft erfolgt durch keine Turbine, sondern ausschließlich durch den Eintritt bei hoher Geschwindigkeit. Als Treibstoff wird nur Wasserstoff benötigt, während klassische Raketen zusätzlich Sauerstoff in Tanks mitführen müssen.

Bis die Hyperschall-Jets selbstständig von konventionellen Flugplätzen aus starten können, ist es jedoch noch ein weiter Weg. In der Nacht zum Sonntag musste die auf eine sonst für Satellitenstarts benutzte Pegasus-Rakete montierte X-43A durch einen gigantischen B-52-Bomber vom Luftwaffenstützpunkt Edwards (US-Bundesstaat Kalifornien) auf eine Flughöhe von rund 7000 Metern geschleppt werden. Kurz vor 14 Uhr Ortszeit wurde das Gespann ausgeklinkt. Die Rakete zündete und katapultierte den knapp 1,3 Tonnen schweren Minijet auf eine Höhe von knapp 30 000 Metern. Dort, rund 650 Kilometer vor der kalifornischen Küste, trennten sich die beiden Flugkörper bei einem Tempo von etwa 5600 Stundenkilometern. Das Triebwerk der X-43A zündete und beschleunigte das Flugzeug auf siebenfache Schallgeschwindigkeit. Nur zehn Sekunden später ging das rasende „Surfbrett" aus Treibstoffmangel in einen sechsminütigen Gleitflug über, bei dem weitere Flugmanöver gestestet wurden. Dann stürzte der Erprobungsträger in einem militärischen Sperrgebiet in den Pazifik. Auf eine Bergung wird aus Kostengründen verzichtet.

Über 500 Sensoren zeichneten während des Fluges eine Vielzahl von Daten auf, die jetzt ausgewertet werden. Nur so lassen sich genaue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich das Triebwerk unter realistischen Bedingungen verhält, betonten NASA-Vertreter.

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