• In zwei Wochen wird die Weltausstellung eröffnet - Noch fehlt ein architektonisches Wahrzeichen

Welt : In zwei Wochen wird die Weltausstellung eröffnet - Noch fehlt ein architektonisches Wahrzeichen

Jürgen Voges

Wo Kräne, brauner Baustellenmatsch, halb fertige Fassaden und die Stahlskelette der Pavillons die Szenerie noch vor wenigen Wochen beherrschten, ist das Expo-Gelände in Hannover jetzt schon mehr als nur zu erahnen. Die Gehwegplatten sind gelegt, Bäume und Rasenflächen kommen zur Geltung. Von der Aussichtsplattform der Expo-Postbox - ein gelbes, wie ein überdimensionaler Briefkasten gestaltetes Hochhaus - vermittelt der Blick herab auf das östliche Pavillongelände sogar den Eindruck, alles wäre eigentlich alles schon fertig.

Natürlich herrscht in den Pavillons entlang der so genannten Europaallee noch hektische Betriebsamkeit. Doch von der luftigen Aussichtsplattform aus scheinen der fünfstöckige Pavillon der Niederlande und das in Stahl und Glas gehaltene Gebäude Großbritanniens bereits auf die ersten Besucher zu warten. Auch die Zinnen des Wüstenforts der Vereinigten Arabischen Emirate und der Wal-förmige Pavillon des Christlichen Vereins junger Männer (CVJM) machen schon auf das noch geheime Innere neugierig.

Die Zahl der Nationen, die sich auf der Expo 2000 vorstellen werden, ist allerdings in den vergangenen Wochen noch weiter geschrumpft. Nicht nur die USA haben ihre Teilnahme abgesagt, sondern kurzfristig auch 15 weitere Staaten, meist kleinere Entwicklungsländer. Mit jetzt 174 offiziellen Teilnehmern, 158 Ländern und 16 internationalen Organisationen, wird die Ausstellung mit dem Motto "Mensch Natur Technik" aber immer noch einen neuen Expo-Rekord aufstellen.

Nach Norden hin kann man von der Plattform den Blick über das Messegelände schweifen lassen, auf dem 90 Hektar der insgesamt 160 Hektar großen Weltausstellungsareals liegen. An der Seilbahn, die quer über die Expo hinweg den Eingang Nordwest mit dem Wal des CVJM verbindet, hängen schon die gelben Gondeln. Links davor ragen die fächerförmigen Äste des größten Holzdaches der Welt auf, an dem das westliche Pavillongelände liegt.

Selbst dem quaderförmigen Hochhaus am Messe-Eingang Süd hat die holländische Künstlerin Lily van der Stokker sein eigentliches Aussehen nehmen dürfen: Im Rahmen des Expo-Kunstprojektes "In Between" wurde es gänzlich mit lila und rosa Ornamenten verziert. Daneben, in fünf Hallen längs der vierspurigen Schnellstrasse zwischen dem westlichen und dem östlichen Expo-Areal, ist das Herzstück der Weltausstellung im Aufbau, der Themenpark. In elf Einzelausstellungen soll in dem Park zu Themen wie Mobilität, Zukunft der Arbeit oder Umwelt das Expo-Motto zu den einzelnen Themen "Mensch, Natur und Technik" sinnlich erfahrbar umgesetzt werden.

Über die Schnellstrasse hinweg ist das Messegelände allein durch die "Exponale", eine breite Fußgängerbrücke, mit dem Rest des Expo-Areals verbunden. In der großen Veranstaltungsarena an der so genannten Plaza wird Thomas Gottschalk am 1. Juni die große Eröffnungsgala moderieren, die live im Fernsehen übertragen wird.

Der Gastgeber Deutschland will sich in seinem Pavillon nach den Worten des Staatsministers für Kultur, Michael Naumann, als ein Land "von Menschen mit einem neuen Selbstbewusstsein" darstellen. Bis zu 50.000 Besucher sollen an einem einzigen der 153 Expo-Tage die drei großen Ausstellungsbereiche des deutschen Pavillons sehen können. Im Eingangsbereich gehen sie auf Metallgerüsten durch die "Ideenwerkstatt Deutschland", eine Ausstellung mit 47 überdimensionalen Gipsköpfen und -büsten. Diese stellen vom Fußballer Jürgen Sparwasser über den Dichter Thomas Mann bis zur Schauspielerin Marlene Dietrich allesamt Deutsche dar, die besondere Leistung vollbracht haben. Sogar die populäre Kunstfigur aus dem Fernsehen, die "Maus" aus der gleihnahmigen Kindersendung, ist dabei.

Danach erwartet die Besucher des Pavillons ein Rundumkino namens "Brücken in die Zukunft", das über gläserne Stege begehbar ist und so tatsächlich in alle Richtungen einen Blick auf bewegte Bilder ermöglicht. Der dritte Bereich des deutschen Pavillons wartet dann mit einer rund 25-minütigen Multimedia-Show auf, zu der die 16 Bundesländer jeweils ein einzigartiges Ausstellungsstück beisteuern durften: So ist zum Beispiel Niedersachsen dabei mit dem VW-Käfer, Berlin mit einem echten Stück Mauer und Schleswig-Holstein mit einem Wikingerschiff.

Der Deutsche Pavillon ist eines der markantesten Gebäude auf dem Weltausstellungsareal. Das architektonische Wahrzeichen der Expo wird aber noch gesucht. In Kooperation mit dem ZDF und einer Illustrierten führt die Expogesellschaft eine Telefonabstimmung per TED durch, um das Wahrzeichen der Weltausstellung zu wählen.

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