Indien : Flutopfer warten weiter auf Hilfe

Die Uhr tickt gnadenlos herunter: Zweieinhalb Wochen nach der Hochwasserkatastrophe in Indien warten immernoch 350.000 Menschen auf Hilfe. Sie sitzen auf Dächern und müssen Schmutzwasser trinken. Lebensmittel werden knapp.

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Unzählige Menschen warten auf Hilfe und harren aus. -Foto: AFP

Chandpur BhangahaZweieinhalb Wochen nach Beginn der Hochwasserkatastrophe in Nordindien wird für die Überlebenden in der Überschwemmungsregion die Zeit knapp. Sie habe schon seit fünf Tagen nichts gegessen und nur unabgekochtes Schmutzwasser trinken können, berichtete die Überlebende Murti Shah, die zwei Wochen auf dem Dach der Schule in ihrem Dorf ausgeharrt hatte, bis sie am Donnerstag gerettet wurde.

Rettungskräfte erreichten erst nach und nach die am schwersten zugänglichen Gebiete im Bundesstaat Bihar, berichtete Rajeev Ahluwalia vom Katastrophen-Reaktionsteam der indischen Armee. Die Lage dort sei "sehr düster": "Die Leute dort sind in einem mitleiderregenden Zustand."

350.000 Menschen warten auf Hilfe

Der Abwurf von Hilfslieferungen wurde verstärkt, wie ein Luftwaffensprecher berichtete. Große Teile von Bihar sind überschwemmt, seit der Fluss Kosi vor zwei Wochen stromaufwärts in Nepal über die Deiche trat und seinen Lauf änderte. Nach Behördenangaben wurden bisher 600.000 Menschen aus den Überschwemmungsgebieten in Sicherheit gebracht. 350.000 Menschen sind auf ihren Hausdächern oder Bahn- oder Straßendämmen gestrandet und warten noch immer auf Hilfe.

Nach UN-Schätzungen wurden mindestens eine Million Menschen durch die Hochwasserkatastrophe obdachlos. Die Hilfsorganisation Save the Children geht sogar von mindestens fünfmal sovielen Menschen aus, die durch die Fluten ihr Zuhause verloren haben. Etwa 200.000 Flutopfer wurden in Notaufnahmelager gebracht, wo sich nun Seuchen wie Cholera und Hirnhautentzündung auszubreiten drohen.

Unterdessen machen sich Indien und Nepal, wo die Überschwemmungen ihren Ausgang nahmen, gegenseitig für die Katastrophe verantwortlich. Die Deiche des Kosi lägen zwar auf nepalesischem Gebiet, jedoch sei Indien für deren Instandhaltung verantwortlich, sagte ein Sprecher des nepalesischen Bezirks Sunsari. Ein indischer Botschaftssprecher in Kathmandu sagte dagegen, von Indien nach Nepal entsandte Ingenieure seien im Vorfeld der Katastrophe von Reparaturarbeiten an den Dämmen abgehalten worden. (nal/AFP)

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