Indonesien : Komododrache zerfleischt kleinen Jungen

Ein gefräßiger Komododrache hat in Indonesien einen kleinen Jungen angegriffen und zerfleischt. Das Tier überraschte den neunjährigen Masur, als er auf der Insel Komodo kurz "in die Büsche" gegangen war.

Jakarta - Wie die Zeitung "Kompas" berichtete, schrie der Junge laut auf und alarmierte damit Erwachsene, die das Tier mit Steinen attackierten. Es ließ zwar von seinem Opfer ab, doch die Bissverletzungen des Jungen seien so schwer gewesen, dass er sofort starb. "Der Komododrache griff ihn an, biss zu und schleuderte ihn hin und her", schilderte der Leiter des Komodo-Nationalparks, Vincensius Latif, der Zeitung. Das Unglück ereignete sich am Samstag.

   Wildhüter versuchten später vergeblich, den Komododrachen oder - waran im Nationalpark aufzuspüren. Die Echse, ein seltenes Exemplar der größten noch lebenden Echsen der Welt, mit einem mächtigen Schwanz, einem Gebiss mit 60 scharfen Zähnen und einer geschlitzten Zunge kann bis zu drei Meter lang und mehr als 100 Kilogramm schwer werden.

Zu wenig natürliche Beutetiere?

   Angriffe auf Menschen sind äußerst selten. Die Komodo-Insel ist ein Nationalpark, in dem Einwohner und Tiere seit Jahren friedlich zusammenleben. Wildhüter führen jedes Jahr tausende Touristen durch den Park. Sie führen in der Regel eine lange Stange mit scharfen Zacken mit, um etwaige Angreifer abzuwehren.

   Komododrachen ernähren sich normalerweise von kleinen Säugetieren. Sie lauern ihrer Beute oft tagelang im Gebüsch auf und können dann blitzschnell zupacken. Tierschützer meinen, dass ihre natürlichen Beutetiere möglicherweise rar geworden sind und sich das Tier deshalb auf den Jungen stürzte.

    Komododrachen fressen auch ihre eigene Brut, die beim Schlüpfen nur 40 Zentimeter groß ist. Die Jungtiere leben deshalb überwiegend auf Bäumen. Mit wachsendem Körpergewicht werden sie aber träger. Die erwachsenen Tiere leben nur am Boden.

4000 Exemplare auf Komodo-Inseln

   Die Tiere sollen einen ätzenden Geruch verbreiten. Zoologen meinen, das liege an den Aasresten, die sich in ihrem Gebiss festsetzen. Die Komododrachen verschlingen ihre Beute, oft größer als sie selbst, mit Haut und Haar. Sie sind vom Aussterben bedroht und stehen unter Naturschutz. Auf Komodo und den Nachbarinseln gibt es nach Schätzungen noch etwa 4000 Exemplare.

   Schon mehrmals haben die Drachen Schlagzeilen gemacht. So kehrte 1974 ein 79-jähriger Schweizer nach einer Waranfütterung auf Komodo nicht zu seiner Reisegruppe zurück. Suchteams fanden nur noch seine Kamera. Seit 1995 sind inszenierte Fütterungen nach zahlreichen Beinahe-Unfällen in Indonesien verboten. Im Juni 2001 biss ein Komodowaran Phil Bronstein, dem damaligen Ehemann von Hollywood-Schauspielerin Sharon Stone, fast einen Zeh ab. Damals musste er mit einer tiefen Fleischwunde in die Notaufnahme eingeliefert werden. Im Dezember 2006 sorgte das Komodowaran-Weibchen Flora in England für Aufregung, als sie im Zoo von Chester ihre Eier ohne männliches Zutun selbst befruchtete und eine so genannte Jungfrauengeburt hatte. (mit dpa)

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