Welt : Ingenieur gesteht Erpressung der Firma "Schwartau"

Einzeltäter nennt hohe Schulden nach Konkurs als Motiv LÜBECK/INGOLSTADT (dpa).Die versuchte Millionenerpressung des Marmeladenherstellers "Schwartau" ist aufgeklärt: Mit einem Überraschungscoup nahm die Polizei im bayerischen Ingolstadt einen hochverschuldeten Bauunternehmer fest, gegen den am Freitag Haftbefehl wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung erlassen wurde.Der ledige Bauunternehmer legte nach Polizeiangaben ein umfassendes Geständnis ab und gab an, die Erpressung allein begangen zu haben.Als Motiv nannte er finanzielle Probleme.Sein Baunternehmen befindet sich im Konkurs. Begonnen hatte die Erpressung des Marmeladenherstellers in Bad Schwartau bei Lübeck am 8.Dezember 1997.An diesem Tag teilte der Täter dem Unternehmen mit, daß er mit Gift präparierte Gläser im Handel ausgelegt habe.Zugleich stellte er seine Forderung in Millionenhöhe auf.Wenige Tage später wurden in Norddeutschland drei vergiftete Marmeladengläser entdeckt. Der 48jährige Ingenieur hatte die Gläser mit Warfarin präpariert, einem Stoff, der die Blutgerinnung hemmt und auch für Rattengift verwendet wird.In den Gläsern warnten Zettel vor dem Genuß der Konfitüre.Menschen kamen nicht zu Schaden. Auf die Spur des Erpressers war die Lübecker Sonderkommission gekommen, nachdem der Mann am 19.Januar schriftlich Kontakt zu den "Schwartauer Werken" aufgenommen und eine Geldübergabe gefordert hatte.Ein Beauftragter des Unternehmens machte sich daraufhin auf den Weg: Zwischen dem 21.und 24.Januar lotste der Erpresser den Geldboten über Hamburg, Berlin, Dresden, Leipzig und Passau nach Regensburg.Den Kontakt hielt der Täter per Telefon, Brief und auch per Boten, die er willkürlich auswählte.In Regensburg brach der Kontakt ab.Eine Fährte führte die Ermittler dann nach Wien.Dort erkannte ihn eine Frau auf Fotos wieder.Die Festnahme am frühen Donnerstag morgen lief nach Polizeiangaben viel unspektakulärer ab als bei vergleichbaren Erpressungen.Der Verdächtige sei vollkommen überrascht gewesen und hätte sich widerstandslos festnehmen lassen, sagte ein Ermittler in Bayern.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben