Insolvenz : Verona ist eine Marke

Gegen Franjo Pooth wird wegen Bestechung und Insolvenzverschleppung ermittelt. Seiner Frau schadet das nicht. Im Gegenteil.

Torben Waleczek
Verona Pooth
Muss nicht vor Gericht: Verona Pooth. -Foto: dpa

Berlin Das Fernsehen und die Wirklichkeit liegen manchmal sehr dicht beieinander. Und manchmal lösen sich die Grenzen zwischen beiden Welten ganz einfach auf. Das weiß niemand besser als Verona Pooth. Bei RTL2 hilft sie bemitleidenswerten Familien, die unverschuldet in Not geraten sind. Die Sendung heißt „Engel im Einsatz“. Im richtigen Leben hilft Verona jetzt ihrem Ehemann Franjo Pooth. Die dazu passende Sendung heißt Johannes B. Kerner, aufgezeichnet und ausgestrahlt am vergangenen Donnerstag. Verona spielt darin die Hauptrolle.

Bei Johannes B. Kerner sagt sie: Wir sind keine kriminelle Familie, und Franjo hat keine kriminelle Vergangenheit. Und es klingt genauso Verständnis heischend wie in ihrer Show bei RTL2, wenn Verona erklärt: „Die Firma hat es einfach nicht gepackt.“

Die Rede ist von Franjos insolventem Elektronikunternehmen Maxfield. Ob er mit seiner Firma genauso unverschuldet in die Krise gerutscht ist wie die Familien bei RTL2, darüber entscheiden bald die Gerichte. Am Donnerstag haben Ermittler Franjos Villa und die Büros seiner Firma durchsucht, mitgenommen haben sie 30 Umzugskartons. Darin suchen sie nach Beweisen für die Vergehen, die Franjo zur Last gelegt werden: Bestechung und Insolvenzverschleppung. Der 38-Jährige soll Bankern, die ihm Millionenkredite gewährten, teure Geschenke gemacht haben. Den Düsseldorfer Sparkassen-Chef hat der Vorgang bereits das Amt gekostet. Ein weiterer Sparkassen-Vorstand war einen Tag zuvor fristlos entlassen worden. Franjo Pooth steckt also mittendrin in einer sehr realen und genauso unappetitlichen Affäre um Vetternwirtschaft und Korruption.

Als Verona von der Razzia in der Pooth-Villa erfährt, sitzt sie im Auto. Sie ist auf dem Weg zur Aufzeichnung der Kerner-Sendung. Die Nachrichten von Zuhause haben sie regelrecht geschockt, sagt sie später. Trotzdem fährt sie zu Kerner ins Studio und beteuert: Franjo und ich sind glücklich verheiratet, sogar sehr glücklich. Vielleicht gibt es bald sogar neuen Nachwuchs, verkündet sie.

Als es los ging mit der Affäre um Franjo und seine Firma, da wurde in den Medien viel spekuliert, wie Verona sich wohl verhalten würde. Würde man ihr, die so gern und so viel ohne Punkt und Komma daherredet, einen Maulkorb anlegen? Damit sie sich nicht verplappert und ihren Mann noch weiter in die Misere hineinreitet? Wer so denkt, hat das Phänomen Verona nicht verstanden. Viel zu abgeklärt und routiniert agiert sie in der Arena der Öffentlichkeit, um nicht ganz genau zu wissen, was auf dem Spiel steht.

Dazu kommt: Verona Pooth kann gar nicht anders. Bild, Bams und Glotze, mehr brauche man nicht, hat Gerhard Schröder einmal gesagt. Der Satz könnte auch von Verona Pooth stammen. Sie hat sich zur Marke gemacht, die sich durch permanente Medieninszenierung immer wieder selbst reproduziert. Verona, die Ex-Frau von Dieter Bohlen. Verona, die Erotik-Ansagerin im RTL2-Format „Peep!“. Verona, die aus der Werbung: Telefonauskunft und Spinat. Und heute? Verona, die Frau in der Krise. Die einem gestrauchelten Unternehmer und Ehemann tapfer den Rücken frei hält, ein Engel im Einsatz. Oder die Frau, die einem mutmaßlichen Verbrecher öffentlich Deckung gibt.

Welche Einschätzung stimmt, das spielt für die Marke Verona keine Rolle. Ende des Jahres sei ein Kinofilm mit ihr geplant, verrät sie bei Kerner. Und einen neuen Werbevertrag habe sie auch schon unterzeichnet. Diesmal für Konfitüre.

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