Internationale Strafjustiz : USA beantragen Polanskis Auslieferung

Die USA haben die Auslieferung des in der Schweiz inhaftierten Roman Polanski gefordert. Vor 32 Jahren hat sich der Regisseur eines Sexualdelikts schuldig gemacht.

Das Gesuch der USA sei am Donnerstagabend in der Schweiz eingetroffen, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda unter Berufung auf das Bundesamt für Justiz. Der 76 Jahre alte Regisseur sitzt derzeit in Zürich in Auslieferungshaft.

Er war Ende September in Zürich auf Grundlage eines vorläufigen US-Haftbefehls wegen eines 32 Jahre zurückliegenden Sexualdelikts festgenommen worden. Der polnisch-französische Staatsbürger soll sich 1977 in den USA an der 13-jährigen Samantha Gailey vergangen haben.

Polanski hatte sich damals schuldig bekannt, in der Villa des Hollywoodstars Jack Nicholson den Teenager mit Champagner und Drogen gefügig gemacht und verführt zu haben. Sex mit einer Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung.

Der Filmemacher saß 42 Tage im Gefängnis, floh dann jedoch unmittelbar vor der Urteilsverkündung nach Frankreich und kehrte nicht mehr in die USA zurück. Seitdem lebt Polanski in Frankreich und teilweise auch im schweizerischen Gstaad.

Für Unverständnis sorgte, dass er nicht bereits bei früheren Aufenthalten in der Schweiz verhaftet worden war. Sprecher erklärten hierzu, dass die Festnahme nun möglich gewesen sei, da das genaue Einreisedatum des Regisseurs bekannt war.

Polanski befand sich zum Zeitpunkt der Festnahme auf dem Weg zum Filmfestival Zürich, wo er mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte. Die überraschende Verhaftung sorgte für heftige Empörung in der Schweizer Filmszene.

Der US-Haftbefehl gegen Polanski liegt bereits seit 1978 vor, seit Ende 2005 fahndeten die Behörden weltweit. In den meisten US-Staaten verjähren Sexualstraftaten normalerweise nach neun Jahren. Doch nicht in Polanskis Fall, da er "schuldig" gesprochen wurde und sich dem Urteilsspruch durch die Flucht nach Europa entzog. US-Rechtsexperten rechnen mit einer Haftstrafe von bis zu vier Jahren.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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