Interpol : Erfolgreiche Kinderschänder-Jagd im Internet

In den frühen Morgenstunden schlugen die Agenten der US-Zollbehörde zu. Zwei Jahre, nachdem norwegische Ermittler die ersten Fotos von Wayne Nelson Corliss entdeckt hatten, wurde der mutmaßliche Kinderschänder am Donnerstag in seiner Wohnung in Union City nahe New York gefasst. Ohne die öffentliche Fahnung wäre das nicht möglich gewesen.

Dorothée Junkers[dpa]
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Der mutmaßliche Kinderschänder soll mindestens drei Jungen missbraucht haben. -Foto: dpa

Lyon/ParisBilder der Festnahme, die die Zollbehörde ICE selbst aufnahm, gingen um die Welt. Offensichtlich versuchte der 58-Jährige noch, sein Gesicht vor den Kameras zu verbergen. Doch der Reflex kam zu spät: Die internationale Polizeiorganisation Interpol hatte bereits am Dienstag sechs Bilder des Mannes veröffentlicht und damit zum zweiten Mal die Jagd nach einem Pädophilen mit Hilfe von Öffentlichkeit und Internet zu einem erfolgreichen Ende gebracht.

Am Donnerstagabend schließlich verkündete die Behörde mit Sitz im französischen Lyon die Festnahme von Corliss. Interpol- Generalsekretär Ronald K. Noble sprach von einem "herausragenden Erfolg" von "Bürgern, Medien und Gesetzeshütern". Die per Internet übermittelten Hinweise von "drei unabhängigen Personen", die in den USA lebten, hätten es ermöglicht, dass der Verdächtige nach zweijähriger Suche identifiziert werden konnte. In seiner Wohnung fanden die Fahnder dem französischen Fernsehen zufolge gut 1000 Fotos mit Kinder-Pornografie sowie Kinder-Unterwäsche.

Missbrauch auf über 100 Fotos

Bereits im März 2006 entdeckte die norwegische Polizei auf der Festplatte eines verurteilten Kinderschänders die ersten derartigen Bilder und übermittelte sie an Interpol. Der anschließende Abgleich mit den gut 520.000 in den Datenbanken der Ermittler gespeicherten Bildern förderte weitere insgesamt gut 100 Fotos des Mannes beim Missbrauch von Kindern zutage. Als seine Identität jedoch zwei Jahre lang nicht geklärt werden konnte, entschloss sich Interpol, die Öffentlichkeit einzuschalten.

"Wir hatten lediglich eine Reihe schockierender Fotos, die den Verdächtigen beim Sex mit Kindern zeigen, und die Hoffnung, dass Öffentlichkeit und Polizei weltweit auf den Hilferuf reagieren würden", sagte Noble. Die Interpol-Website sei innerhalb von 24 Stunden etwa 250.000 mal besucht worden, mehr als zehnmal mehr als üblich. Mehr als 500 Hinweise habe Interpol erhalten, davon seien drei die entscheidenden Tipps gewesen. Ohne Hilfe von Öffentlichkeit und Medien wäre die Festnahme des mutmaßlichen Kinderschänders nicht möglich gewesen.

Mister IDent ist nicht allein

So wenig wussten die Ermittler von dem Mann, dass sie die gesamte Fahndungsaktion schlicht "Mister IDent" nannten - "Herr Identität". Die erste derartige Internet-Jagd - Aktenname "Vico" - hatte im vergangenen Oktober zur Festnahme eines 32 Jahre alten Kanadiers geführt. Christopher Paul Neil hatte mehr als 200 Bilder von sich ins Internet gestellt, auf denen er Kinder missbraucht. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann bis zu 20 Jahre Haft.

Spezialisten des Bundeskriminalamtes hatten damals entscheidenden Anteil an der Festnahme. Neil hatte ein Hilfsmittel einer Fotobearbeitungs-Software verwendet und sein Gesicht mit der Funktion "Wirbel" bearbeitet. Das BKA schaffte es, den Effekt rückgängig zu machen und ein Bild des Täters zu erstellen. Interpol schätzt, dass im Internet Bilder von bis zu 20.000 sexuell missbrauchten Kindern zu finden sind. Die Täter seien entweder selber pädophil oder sie wollten mit der Veröffentlichung von Kinderpornografie Geld machen. Mit Hilfe seiner Bilddatenbank hat Interpol in den vergangenen Jahren mehr als 600 Kinder in mehr als 30 Ländern identifiziert, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind.

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